Drei Freunde und ein Mord

- Vom ersten Augenblick atmen die Bilder Unheil. Blauschwarz ist das Wasser, über das die Kamera gleitet, und wir spüren, der Mystic River, der dem Film seinen Titel gibt, heißt diesmal Lethe, der Todesfluss der antiken Tragödie. Man weiß ja: Clint Eastwood, Schauspieler und seit 20 Jahren immer öfter Regisseur, dreht gerne Thriller und Kriminalstorys. Doch "Mystic River" ist kein Krimi, auch wenn hier ein Mord und die Entlarvung des Mörders den Handlungsrahmen bilden.

<P>Eine komplexe,<BR>doppeldeutige Geschichte<BR><BR>Das Unheil liegt vielmehr in allem, was die Kamera zeigt, in ihren leisesten Bewegungen, ihren verstohlenen Blicken, mit denen sie weniger bestimmte Dinge als eine beunruhigende Atmosphäre erhascht. Diese Kunst der Darstellung des Unsichtbaren beherrscht Eastwood perfekt. Er hat auch eine sichere Hand in der Wahl der Schauspieler. Kevin Bacon, Tim Robbins und Sean Penn sind, obwohl völlig unterschiedliche Typen, gleich gut. Und so zeigt "Mystic River" einmal mehr, dass Eastwood inzwischen einer der ganz großen Autorenfilmer der USA ist.</P><P>Eine einzige Sekunde, damit beginnt der Streifen, kann ein Leben verändern. Drei Freunde spielen auf der Straße, man ist in Boston, im Milieu der irisch-katholischen Arbeiterklasse. Einer der Jungen wird entführt, kommt nach langen Qualen zwar wieder frei, doch das Dreieck der drei Freunde ist aus dem Gleichgewicht. Jahrzehnte später - die drei leben weiterhin im selben Viertel, haben einen kleinen Aufstieg geschafft, ohne sich aus ihrer Herkunft zu lösen - verschwindet die Tochter Jimmys (Sean Penn). Bald wissen wir, dass sie ermordet wurde. Und Sean (Kevin Bacon), der es zum Kommissar gebracht hat, ermittelt. Schnell führen ihn Spuren zu Dave (Tim Robbins), der einst entführt wurde.</P><P>Nun entwickelt sich eine komplexe, doppeldeutige Geschichte, in der Eastwood sein Lieblingsthema der außergesetzlichen Gerechtigkeit entfaltet. Sie handelt von lebenslangen Verbindungen zwischen Freunden, Schicksalsschlägen und der moralischen Abrechnung, die ihnen folgt. Eastwood wirft dabei einen beunruhigend-verstörenden Blick auf die menschliche Natur. (In München: Mathäser, Leopold, Atelier, Cinema i.O.)</P><P>"Mystic River"<BR>mit Sean Penn, Tim Robbins, Kevin Bacon<BR>Regie: Clint Eastwood<BR>Hervorragend </P><P> </P>

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