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Was ist schön? Rabelle Erian (v. li.) hinterfragt in einem Kurzfilm, welche orientalischen Einflüsse König Ludwig II. bei seinen märchenhaften Bauten nutzte. Die Schwestern Theresa und Felizitas Hoffmann beschäftigen sich mit heutigen Schönheitsidealen – und was Menschen für das Erreichen derselben auf sich nehmen.

Bis Sonntag läuft Kunstmesse ArtMUC in München

Das perfekte Bild

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Bis Sonntag gibt es auf der Münchner ArtMUC wieder zeitgenössische Kunst für kleine Preise zu kaufen. Drei Münchnerinnen zeigen ihre Medien-Installationen im Atelierhaus auf der Praterinsel.

„Der Mensch, das Augenwesen, braucht das Bild.“ Die Foto-Flut unseres Zeitalters hatte Leonardo da Vinci (1452-1519) bei diesem Ausspruch nicht im Sinn. Und doch sind heutige Instagram- und Facebook-Profile letztlich nur die extreme Weiterführung des urmenschlichen Bedürfnisses, sich selbst und andere abzubilden. Aus Verehrung, aus Liebe, als Erinnerung an Momente des Glücks. Aber auch: aus Eitelkeit, aus Geltungssucht, aus Verachtung – um die hässliche Seite eines Widersachers zu entlarven. Natalia Jobe, Felizitas und Theresa Hoffmann amüsiert das. Mit ihrem Künstler-Kollektiv „Hybris“ hinterfragen sie auf ironische Weise die Bilder, die der Mensch, das Augenwesen, heute von sich macht. Nicht mit Pinsel und Farbpalette – im 21. Jahrhundert gibt’s noch ganz andere Werkzeuge für die perfekte Selbstinszenierung. Bis Sonntag zeigt „Hybris“ zwei Arbeiten dazu in einer Multi-Media-Installation auf der Praterinsel. Im Rahmen der Münchner Messe ArtMuc, einer Plattform für zeitgenössische Kunst, die man sich noch leisten kann. Und weil die ArtMuc auch im fünften Jahr von Initiator Raiko Schwalbe als buntes Event und Tummelplatz für Kreative angelegt ist, bietet er den jungen Frauen im ehemaligen Atelierhaus einen Raum, sich kreativ auszutoben.

Schönheits-Mittel als Malwerkzeug: Theresa Hoffmann und Natalia Jobe vom Künstler-Kollektiv „Hybris“ beim Action Painting. Der Film dazu läuft auf der ArtMuc.

Das haben sie getan. Haben sogenannte Schönheits-Tools aus China und Korea bestellt – von der Industrie hergestellte Helferlein, die einen, besser: die Frauen noch schöner machen sollen. Theresa Hoffmann erklärt’s: „Es gibt da zum Beispiel diese wippende Stange, an der rechts und links Gewichte hängen. Die soll man mit dem Mund halten, damit die untere Gesichtshälfte schöner wird.“ Oder das Schnuller-artige Gerät aus Korea: „Das muss man sich auf die Lippen drücken, dann entsteht Unterdruck – und die Lippen wirken danach dicker.“ Um die Absurdität dieser Produkte darzustellen, um darauf aufmerksam zu machen, wie viel Geld gerade Frauen investieren, um Schönheitsidealen gerecht zu werden, schlüpften die Münchnerinnen in Ganzkörperanzüge und setzten im Sinne des Action Painting auf Zweckentfremdung: Mit Gewichts-Stange und Schnuller malten sie Bilder. Weiß auf Weiß. Die Aktion haben sie in einem Video festgehalten. Es flimmert in den nächsten Tagen im Atelierhaus auf der Praterinsel.

Orientalische Ornamente flossen in die Architektur der Bauwerke ein, die Ludwig II. in Auftrag gab. Hier ein Ausschnitt aus Rabelle Erians Kurzfilm.

Doch nicht nur dies. Neben „Hybris“ wird auch Rabelle Erian Bilder flimmern lassen. Auf den ersten Blick scheinen sie mit denen ihrer Kolleginnen nichts zu tun zu haben. Die Studentin der Hochschule für Fernsehen und Film München hat einen Kurzfilm über die orientalischen Einflüsse in der Architektur der Schlösser von Ludwig II. gedreht. „König Ludwig II. hat ganz, ganz viel aus orientalischen Ländern übernommen“, erzählt die 27-Jährige. Der besondere Kniff: Selbst ist der Märchenkönig nie in arabische Länder gereist. „Das Bild, das er davon hatte, hat er im Theater, in der Oper, durch Reiseberichte von dort entwickelt“, sagt Erian. Das, was in seinen Bauwerken in München und Bayern zu sehen ist, die farbigen Ornamente etwa, die Kuppeln – all das ist die Essenz, das perfekte Bild dieser in der Vorstellung Ludwigs so märchenhaften Welt. Ein bisschen also wie Instagram. Die Kombination der beiden Installationen gelingt – herrliches Futter also für all die Augenwesen auf der Praterinsel.

Bis Sonntag

läuft die ArtMuc auf der Praterinsel 3-5 in München. Heute von 19 bis 20 Uhr,
Fr./Sa. von 12 bis 20 Uhr, So. von 12 bis 18 Uhr. Eintritt: 13/ 11 Euro. Mehr unter www.artmuc.info.

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