Drei neue Tenöre fürs Wohnzimmer

- Egal ob edler Held oder romantischer Liebhaber, sanfter Hirt, draufgängerischer Herzog oder verliebter Prinz: Die Tenöre sind die Sieger, erobern die Herzen der Damen auf der Bühne - und im Parkett. Wenn ihrer drei beisammen sind, ist des Jubels kein Ende. Doch die Zeiten, da Domingo, Pavarotti und Carreras Stadien füllten, sind Historie. Aber gottlob wachsen - trotz Counter-Hochkonjunktur - auch "italienische" Tenöre nach. Zwar nicht im Dutzend, wohl aber vereinzelt, und immer öfter kommen sie aus Lateinamerika.

<P>Wer sich jetzt drei Tenöre ins Wohnzimmer holen will, kann zu drei neuen CDs greifen, von denen zwei überraschende Porträts liefern: Rolando Villazon mit "Italian Opera Arias" (Virgin Classics) und Joseph Calleja mit "Tenor Arias" (Decca). Als Dritten im Bunde kann sich der Opern-Fan Ramon Vargas "Between friends" (RCA) gönnen, muss es aber nicht.<BR><BR>Die Debüt-CDs der beiden "Neulinge" sind ein Muss. Villazon, der 32-jährige Mexikaner, hat sich seit dem Europa-Debüt 1999 als Des Grieux in Genua die Opernmetropolen erobert. In München sang und singt er den Faust, 2005 den Romeo. Begleitet von Marcello Viotti und seinem flexibel reagierenden, stilsicheren Münchner Rundfunkorchester riskiert Villazon jetzt den Alleingang - eine Wonne. Sein Tenor weist eine baritonale, bei aller Weichheit virile Färbung auf, besitzt Glanz und Kraft. Auch wenn er in unforcierten Höhen strahlende "Lichter" setzt, klingt die Stimme locker und natürlich. Mit vorzüglicher Technik reizt er die dynamische Bandbreite aus, gleitet über ein angenehmes Mezzavoce in zarteste Pianissimi und verfügt über genügend Dramatik, um Verdi (Macduff, Herzog), Puccini (Rodolfo, Cavaradossi) oder Mascagni (Fritz, Nerone) Paroli zu bieten.<BR><BR>Ein ähnliches Programm - mit Cilea, Donizetti, Verdi und Puccini - präsentiert Joseph Calleja. Der aus Malta stammende Tenor ist gerade mal 26 Jahre alt, debütierte 19-jährig als Macduff in seiner Heimat und wird von Riccardo Chailly gefördert. Er begleitet Calleja mit dem souveränen Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi. Callejas hell timbrierter Stimme hört man die Jugend an. Sie ist noch nicht so kraftvoll wie die Villazons, eher kleiner, aber ebenfalls geschmackvoll geführt, leicht und beweglich. Dabei mangelt es ihm keineswegs an dramatischer Durchsetzungskraft - bis in die Höhen. Wer das CD-Erlebnis live testen will, kann den Tenor heuer bei den Salzburger Festspielen begegnen, in Bellinis "I Capuleti e i Montecchi".<BR><BR>Gegen die "Jungstars" tritt Ramon Vargas, der 1960 geborene Mexikaner, in Duetten und Terzetten von Bizet, Rossini, Donizetti, Verdi und Puccini mit Freunden an - die Arien hat er längst abgearbeitet. In Rossinis Rarität "Maometto II." gar mit einer düster klingenden Vesselina Kasarova und Barbara Lavarian. Mit komödiantischem Schwung servieren Vargas und Bariton-Kollege Leo Nucci die Auseinandersetzungen zwischen Nemorino und Dulcamara aus Donizettis "L'elisir d'amore". Ansonsten reißen die Nummern - begleitet vom Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi unter Vjekoslav Sutej - nicht unbedingt vom Stuhl.</P><P> </P><P><BR> </P>

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