In drei Teufels Namen

- Von Goethe war Charles Gounod nur mäßig inspiriert. Denn dem Franzosen reichte die Liebesgeschichte, um "Faust" als Opéra comique fürs Musiktheater zu vereinnahmen. Wenn überdies - wie im Münchner Nationaltheater - aus dem alten, graugesichtigen, gebeugten Zweifler ein smarter Latin Lover schlüpft, rückt der deutsche Dichterfürst in noch weitere Fernen. Für den Erfolg der Oper kein Problem. Viel eher ein Glücksfall.

Mit leicht ansprechendem, forsch und locker in die Höhe katapultiertem Tenor und kessem Hüftschwung startete Rolando Villazon als verjüngter Faust durch. Sein jungenhafter Charme, seine lässige Natürlichkeit und vor allem sein so mühelos klingender Gesang, der im kraftvollen Forte strahlt, im weichen Mezzavoce trägt, im feinen Piano schmeichelt, taugten zur raschen Eroberung des Publikums - bei Marguerite packte er noch ein paar Juwelen dazu. Endlich mal wieder ein Tenor, bei dem der Zuhörer nicht mitzittern muss.<BR><BR>Dennoch gab es vor der Wiederaufnahme von David Pountneys gnadenlos überladener Inszenierung reichlich Grund zum Zittern und Fluchen - in drei Teufels Namen: Zuerst erkrankte Kurt Rydl. Die Oper suchte und fand in dem bulgarischen Bassisten Orlin Anastassov einen neuen Mephistopheles, der mit interessantem dunklem Timbre neugierig machte - auf gesunde Tage. Denn ihn quälte am Sonntag eine Kehlkopfentzündung. Leider sprang kein Ersatz-Teufel aus dem Schachterl, stattdessen aber einer in den Graben. Denn beim virtuosen Rondo ließ sich der indisponierte Höllenfürst vertreten - vom jungen Kollegen Jacques-Greg Belobo, der die Trinkkumpane erfolgreich anheizte.<BR><BR>Zuverlässig, wenn auch nicht Aufsehen erregend agierten die weiteren wichtigen "Neuzugänge": Ainhoa Arteta als Marguerite und Friedrich Haider am Pult des Staatsorchesters. Nach dreieinhalb langen Stunden feierte das Publikum alle Mitwirkenden, besonders den strahlenden, ausgelassenen Villazon.

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