Drei umwerfende Charmebolzen

- Nein, man hatte es nicht geglaubt. Eine "Piaf"-, eine "Marlene"-Show, ja. Aber gleich drei Legenden überzeugend auf einmal auf die Bühne zu bringen schien utopisch. Im Showbusiness werden jedoch manchmal Utopien wahr: "The Rat Pack", die erfolgreiche Londoner West-End-Produktion, das sind tatsächlich Frank Sinatra, Sammy Davis Jr. und Dean Martin, die unter diesem zugkräftigen Namen im Sands Hotel in Las Vegas ihre gemeinsame Show hatten.

<P>Stephen Triffitt, Michael Harris und Timothy Sell sind jetzt eine so hinreißende "Rattenbande", dass man sie einfach nicht versäumen sollte. Der Charme eines vergangenen eleganten Entertainments - da ist er plötzlich wieder im Münchner Deutschen Theater. </P><P>Eine Show ohne den heute gängigen bombastischen Licht-Schnickschnack. Auf hoher Empore die Bigband - ein wunderbarer Klangkörper, wenn dieses Prädikat bei U-Musik erlaubt ist. Unten exzellent am Flügel der musikalische Direktor Colin Campbell. Am Bühnenhimmel dezent die Großporträts der drei Superstars. Und wenn sie dann "auferstanden", Zigarette in der einen Hand, das Whisky-Glas in der anderen, mit ihren Hits loslegen, ist man platt und guckt trotzdem noch mal scharf hin, ob's nicht doch "play back" ist. Ist aber echt.</P><P>Stephen Triffitts sieht nicht nur so aus wie Sinatra, er hat auch genau das Frankie-Boy-Stimmtimbre. Unausweichlich also die Zugabe-Einforderung, der Triffitts mit "Mack the Knife" und "My Way" nachkommt. Michael Harris, kleiner spillerig-tänzelnder Typ, versteht es auch, den Clown Sammy Davis Jr. zu evozieren, ohne die eigene Persönlichkeit aufzugeben. Wunderschön, mit einer Spur Gospel in der Stimme, sein "Mr. Bojangles", diese zarte Ode an Amerikas großen schwarzen Tapdance-Meister. Und der junge Timothy Sell mit Dean-Martin-Perücke ist ganz einfach ein umwerfender Charmebolzen. Mit seinem Flirt-Lächeln und "That's Amore" umarmt der locker das voll besetzte Theater, ist komisch wie D. M. und hat genau dessen sonor-softes "Crooning" drauf. Man/frau ist total hingeschmolzen.</P><P>Wenn die drei herumalbern und sprachfexen, sind das sicherlich keine kabarettistischen Glanzstücke. Aber so oder so ähnlich mag es damals in Las Vegas gewesen sein, einfach Übergangsmoderation für die Songs. Auf die Songs kommt es an. Und die hat Mitch Sebastian inszeniert und choreographiert nach der Einsicht "weniger ist mehr". Ein beschwipster Dean-Martin-Hüpfer. Ein paar hingeschlenkerte Step-Rhythmen. Und die drei "Barelli Sisters", lieblicher Stimm-Background und sparsam stilvoll attraktive Showtanz-Girls auf wohlgeformten Beinen. </P>

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