Dreigeteilter Hyperion

- Am Ende öffnet sich die Tür, die Schauspieler entfliehen in die dunkle Nacht: Freiheit den Herzen - Hölderlin mit Happy-End. Der Schiller-Schützling, dessen allzu liebendes Inneres sich im Metrum der Antike bis zum Wahnsinn zerriss, wird im Studio der Münchner Otto-Falckenberg-Schule Nutznießer und Opfer einer modernen Anziehungskraft. Wie Hölderlin einst schrieb, so pocht es auch heute manch Ungestümem in den Adern - nur fehlen dem die schönen Worte. "Ich bin nichts mehr, ich lebe nicht mehr gerne", poetelt der Jeans- und Turnschuhträger nun durch den alten Dichter, erkennt dann: "Zum Hasse nicht, zur Liebe bin ich", und ist froh - Hölderlin im Baukastenprinzip.

In einem 70-minütigen Bühnenabend, den er nur nach "Hyperion" benennt, in dem er sich aber vieler Hölderlin-Werke bedient, spaltet Regisseur Philipp Becker (3. Jahrgang) das Selbst seines launenhaften Titelhelden entdrei: Felix Mühlen, Lukas Turtur und Diego Valsecchi bemühen sich abwechselnd, manchmal chorisch um die Gunst Diotimas, der profanisierten Göttin Hölderlins, lächelnd gespielt von Hanna Eichel. Becker konzentriert alles auf den inneren Monolog, kein Bühnenbild, das seinen braven Wahnsinn stören könnte. Nur eine Band, Nebrasska, die mischt sich launisch ins Ich, zwischen gedämpfter Geige und Trommelwirbel.

Ebenso isoliert wie die Menschen steht hier auch die Literatur auf der Bühne. Geschichts- und somit haltlos fließen die wohlgeformten Sätze dahin. Nur einmal traut sich Becker eine Stellungnahme, und die ist problematisch. Hölderlins Vaterlandsverse wurden vom Nationalsozialismus missbraucht; bei Becker stecken sie in hohen Stiefeln und militärisch gebrüllten Parolen - als kritischer Kommentar zu isoliert. Unverhohlen vage heißt der reduzierte Abend denn auch "Hyperion - ein Hölderlinprojekt": Ein jugendlich paradoxes Lebensgefühl zwischen Melancholie und Rebellion steht in seinem Mittelpunkt. Und ebenso paradox endet die Misere von einem, der die Ruhe suchte: in einem lauten Ska-Konzert.

Am 29. und 30. Oktober, Dachauer Straße 114, Karten: 089/ 23 33 70 82.

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