Dröhnende Akkordketten

- Und das Richard Strauss! Wie kaum ein anderer Kollege war er auf Höchstgagen, Tantiemen und allerlei andere Vergütungen bedacht. Aus "Versehen" baute er in sein Frühwerk "Aus Italien" einen Hit Luigi Denzas ein ("Funiculi, funicula"), dachte, es sei ein Volkslied - und bescherte Familie Denza fortan Extra-Einkünfte. Dirigent Pinchas Steinberg wies auf den Irrtum genüsslich hin; eine kleine Pointe vor dem letzten Satz, die der Aufführung im Gasteig endlich den kleinen Adrenalinstoß bescherte.

Nun ist "Aus Italien", wiewohl schon mit Strauss' Instrumentierungs- und Melodiekünsten gesegnet, ein recht redseliges Opus, eine oft wuchernde Tondichtungs-Studie, was jeder Wiedergabe Probleme bereitet. Und Pinchas Steinberg verspürte überdies wenig Lust auf detaillierte Gestaltung, war vielmehr am "großen Ganzen" interessiert. Flott, auf hoher Betriebstemperatur und mit gelegentlichen Effekten wurde die Sinfonische Fantasie absolviert, ansonsten verließ sich Steinberg auf die Klangkultur der Münchner Philharmoniker. Womit man ja nie falsch liegen kann.<BR><BR>Zuvor hatte Fazil Say bei Liszts erstem Klavierkonzert das Klischee vom Donner-Opus bestätigt. Mit locker herausgespielter Kraft, dröhnenden Akkordketten und heftig auffahrenden Gesten stürzte sich der junge Pianist ins Werk, riskierte dabei auch Ausrutscher. Imponierend, über welche Flexibilität Say verfügt, die sich aber bei Liszt nicht zum Konzept runden mochte, schon eher bei der Zugabe eines selbst komponierten Stücks.<BR><BR>Als deftige Introduktion servierten Steinberg und die Philharmoniker Wagners "Rienzi"-Ouvertüre - die, trotz minimaler Unschärfen, überzeugendste Interpretation des Abends. Steinberg brachte einen Schuss Rossini ins Stück, konnte freilich nicht verhindern, dass man bei all dem Humtata doch irgendwie an Loriots Opa Hoppenstedt und seine weihnachtliche Marschplatte dachte.

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