Duelle auf dem Schwingboden

München - Schreie dringen aus einem der Studios, aber es handelt sich nicht um Protest. Vielmehr haben die Otto-Falckenberg-Schüler Grund zur Freude, denn sie dürfen von nun an ihre schallenden Stimmübungen in nagelneuen, freundlichen, eigens für sie gebauten Probenräumen abhalten. Heute nun feiern Bau-, Kommunal- und Kulturreferat der Stadt München sowie die Kammerspiele, an welche die Schauspielschule angegliedert ist, die Einweihung der beiden neuen Gebäude.

Aus dem Exil zurückgekehrt: Die neuen, freundlichen Räume der Münchner Otto-Falckenberg-Schule

Diese liegen nur anderthalb Straßenzüge vom Theater entfernt in einem nun schmucken, begrünten Hinterhof an der Stollbergstraße. Der eine, L-förmige, mit seinen hohen Fensterläden recht mediterran anmutende Bau kommt der Falckenbergschule nur mittelbar zugute. Er enthält 15 helle Wohnungen für Künstler, die kurzfristig in München arbeiten. Formal gehört er zu den Kammerspielen, es dürfen aber Gäste aller zentrumsnah gelegenen städtischen Kultureinrichtungen darin wohnen.

Der Kostenrahmen wurde unterschritten

Die eigentliche Errungenschaft für die Schauspiel-Eleven aber ist der direkt angrenzende dreistöckige Erweiterungsbau ihrer Schule, der sie aus ihrem bisherigen Exil an der Dachauer Straße erlöst, wo sie bis zuletzt ihre Probenstudios hatten. Schon 2006 war zwar das alte Schulgebäude an der Hildegardstraße nach seiner Sanierung und dem Dachausbau wieder in Betrieb genommen worden. Der akute Raummangel in dem Wohnhaus, das 1874 im "Maximiliansstil" errichteten wurde, konnte aber damit nicht behoben werden.

Der funktionale Neubau nun besticht allein schon durch seine charmante Werkstatt-Atmosphäre. Bewusst wurden zum Beispiel die Akustikplatten in der Studiobühne im Erdgeschoss nicht versteckt. Auch sichtbare Leitungen und Installationen signalisieren: Hier wird gearbeitet, und zwar nicht mit Samthandschuhen. Längst schon sind die Schauspielschüler in den fünf weiteren Unterrichtsräumen am Werk.

In einem wird zwischen Stockbetten und in weißen Kostümen bereits szenisch geprobt, in einem anderen mühsam ein Hanns-Eisler-Lied einstudiert, und oben unterm Dach entwickelt sich gerade ein dramatisches Duell mit Florett. Und dies alles auf einem Holzboden, der "in der Qualität und dem Aufbau einem echten Bühnenboden und damit den Aufführungsbedingungen entspricht", wie es die Baureferentin Rosemarie Hingerl formuliert. Auch an einen speziellen Schwingboden für den Akrobatik-Raum wurde gedacht, an nach außen öffnende Fenster, an denen man sich nicht stoßen kann, und an Verdunkelungsmöglichkeiten. Nur für die Flure müsse man sich noch etwas einfallen lassen, sagt der ansonsten sehr begeisterte Schulleiter Jochen Noch. Denn am vergangenen Wochenende hätten die vielen Bewerber bei der Aufnahmeprüfung das Treppenhaus doch beträchtlich hallen lassen.

Drei Millionen Euro hat sich die Stadt die Investition in das Flaggschiff deutscher Schauspielschulen kosten lassen. Zwei Millionen kamen für das Appartementhaus dazu. Nicht nur wurde alles termingerecht fertig, man habe nach vorläufigen Berechnungen sogar den Kostenrahmen um 30 000 Euro unterschritten, so Hingerl. Und das trotz der Enge im Hinterhof, wo allein die Baustelleneinrichtungen mehrfach umziehen mussten, um sich nicht selbst im Weg zu stehen. Die Stadt hatte das Grundstück und das nun abgerissene Vorgängergebäude 1970 zum Grünflächenausgleich für den später nicht realisierten Ausbau des Altstadtrings erworben.

"Nicht recht glücklich" sei man lange mit der schwierigen Immobilie gewesen, sagt Hingerl. Das dürfte sich jetzt ändern, vor allem für die Schauspielschüler.

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