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Das Bild des Anstoßes: Das „Selbstbildnis im Pelzrock“ von Albrecht Dürer bleibt in München, auch wenn das noch nicht alle wahrhaben wollen.

Dürer bleibt – der Streit auch

München - Die Entscheidung ist gefallen: Das „Selbstbildnis im Pelzrock“ von Albrecht Dürer wird nicht für eine Ausstellung nach Nürnberg ausgeliehen. Der politische Streit geht allerdings munter weiter.

Am Ende wollte der Chef nichts dem Zufall überlassen. Am Dienstagabend fuhr Ministerpräsident Horst Seehofer höchstpersönlich in die Alte Pinakothek. Gemeinsam mit Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch ließ er sich von Experten erklären, warum das weltberühmte „Selbstbildnis im Pelzrock“ nicht die weite Reise von München nach Nürnberg antreten könne. „Das Ergebnis ist so eindeutig, dass man es anders nicht verantworten könnte“, erklärte Seehofer gestern. Er forderte die Kritiker auf: „Man muss sich der Realität stellen.“

Offenbar hat der Landtag mit der Realität aber weiter ein Problem. Am Morgen hatte das Wissenschaftsministerium verkündet, dass die Nürnberger Ausstellung „Der frühe Dürer“ im Germanischen Nationalmuseum ab 25. Mai ohne das Selbstbildnis stattfinden werde. Eine gemeinsame Untersuchung durch Münchner und Nürnberger Konservatoren habe zweifelsfrei ergeben, dass das Gemälde nicht transportabel ist. Das um das Jahr 1500 entstandene Selbstporträt ist auf Holz gemalt. Die neue Untersuchung bestätige, dass die Paneele nach einem halben Jahrtausend brüchig geworden sind. Außerdem hätten sich die Malschichten stellenweise vom Untergrund gelöst, es gebe schon Risse, berichtete Klaus Schrenk, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. „Der konkrete Zustand des Bildes lässt eine Ausleihe definitiv nicht zu“, erklärte Minister Heubisch. „Alle Beteiligten sind sich einig, dass der Erhalt des Bildes an erster Stelle stehen muss.“

Alle Beteiligten? Nun ja. Im Landtag herrschte helle Aufregung. Vor allem im Kulturausschuss brodelte es. Die Münchner SPD-Abgeordnete Isabell Zacharias grollte allein schon, weil FDP-Mann Heubisch erst die Pressemitteilung verschicken ließ und dann das Parlament informierte. Aber sie zweifelt die Entscheidung auch inhaltlich an – genauso wie andere Ausschussmitglieder. Gemeinsam will man sich im Museum über den Zustand des Bildes informieren lassen – vielleicht finde die nächste Ausschusssitzung in zwei Wochen in der Alten Pinakothek statt, sagte Zacharias.

Es könnte ein spannendes Treffen werden. Und ein angespanntes. Der frühere Grünen-Fraktionschef Sepp Dürr sagte gestern unmittelbar nach Sitzungsende vor Journalisten über den – wenige Meter entfernt stehenden – Staatsgemäldechef Schrenk: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Wie soll ich so einer verlogenen Bagage noch was glauben?“ Der Generaldirektor hatte sich vor zwei Wochen mit der Behauptung angreifbar gemacht, Dürers Selbstporträt sei bei der letzten Ausleihe nach Nürnberg 1971 beschädigt worden. Das hat sich nun als falsch herausgestellt.

Immerhin: Für Isabell Zacharias, die keine gebürtige Bayerin ist, war die Debatte mit den Kollegen äußerst lehrreich. Sie habe natürlich von den Spannungen zwischen Franken und Oberbayern gewusst. „Aber wie tief die Wunden auf fränkischer Seite sind, mit welcher Heftigkeit da argumentiert wurde, das fand ich schon bemerkenswert.“ Wie um das zu beweisen, konnte sich auch Finanzminister Markus Söder (Wohnort: Nürnberg) einen Kommentar nicht verkneifen. Man könne offenbar „weltweit Ausstellungen organisieren und wertvollste Artefakte transportieren“, spottete er – „aber diese 150 Kilometer nicht überwinden“.

M. Schier, C. Hoefer und C. Deutschländer

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