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Das Foto vom 10.02.2012 zeigt eine Zustandskartierung des Bildes "Selbstbildnis im Pelzrock" von Albrecht Dürer.

Dürer-Experten: Ausleihestreit beendet

München - Unter teils wütendem Protest beendet die Landespolitik den wochenlangen Dürer-Streit. Das Gemälde wird nicht nach Nürnberg ausgeliehen, die entsprechenden Anträge der Fraktionen landen im Papierkorb.

Intern hat das Hickhack allerdings noch ein politisches Nachspiel.

Die wichtigsten Konservatoren aus München und Nürnberg erklärten dem Hochschulausschuss gestern im Detail, warum sie das „Selbstbildnis im Pelzrock“ für nicht transportfähig halten. Die Lindenholzplatte hinten ist nach Experten-Ansicht instabil, das Bild durchziehen Risse, die Malschicht hat sich zu kleinen Schüsselchen verformt. Bei Erschütterung würde der unbezahlbar wertvolle und nur grob auf 150 bis 200 Millionen Euro geschätzte Dürer bröseln.

Die Abgeordneten sehen das murrend ein. „Ich fühl’ mich auch schon ganz fragil“, spöttelt der Grüne Sepp Dürr nach dem Fachvortrag. Nicht allen leuchtet ein, dass man ägyptische Mumien oder radioaktive Brennstäbe durch die halbe Welt transportieren kann, ausgerechnet dieses Kunstwerk aber nicht sicher von München nach Nürnberg verschaffen mag. Das Fachurteil aber wird akzeptiert.

Der politische Streit bleibt: Das Parlament fühlt sich doppelt düpiert. Erstens machten sich die Abgeordneten für die Ausleihe stark, ohne vom kategorischen Nein der Konservatoren zu wissen. Zweitens zog überraschend Ministerpräsident Horst Seehofer die Sache an sich, besichtigte mit seinem Kunstminister Heubisch eines Abends den Dürer in München und merkte hinterher halblaut an, jetzt müsse er auch noch die Arbeit der Abgeordneten machen.

Die finden das fraktionsübergreifend nicht lustig. „Wir Abgeordneten werden hingestellt als Trottel“, grollt der SPD-Abgeordnete Christoph Rabenstein, der sich noch dazu in seiner fränkischen Seele tief verletzt glaubt: „Wir sind empfindlich.“ Wütend sei er, vermeldet der Freie Wähler Michael Piazolo, sonst kein Mann des krachledernen Auftritts. Er beklagt eine „Missachtung des Parlaments“ durch die Regierung. Selbst Ausschusschef Oliver Jörg (CSU) nennt den Umgang „unglücklich“. Das sagte er Seehofer, so ist zu hören, auch ins Gesicht.

Der Ausschuss will am 9. Mai auf Klassenfahrt in die Alte Pinakothek gehen. Staatsgemäldesammlungen-Chef Klaus Schrenk soll persönlich und streng vertraulich berichten, welche weiteren Bilder auf der Sperrliste für Ausleihen stehen. Er bezifferte das auf Nachfrage auf 113 Werke: 91 in der Alten, 22 in der Neuen Pinakothek. Aus konservatorischen Gründen oder wegen der überragenden kulturpolitischen Bedeutung sollen sie München nie mehr verlassen. Offenlegen mag Schrenk die Liste nicht. Er fürchtet Anschläge wie das Säure-Attentat auf Dürer-Werke von 1988 oder Diebstähle.

VON CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

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