Und düster murmelt die Sorge

- Er ist es und er ist es nicht. Er heiße Max und vertrete den verhinderten Helmut Schleich, behauptet Helmut Schleich. Und schon hat der Kabarettist eine Variation seines Themas zum Thema gemacht - das Lampenfieber. Denn das Programm "Mutanfall - Ein Angsthase schießt zurück", das jetzt in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft seine Uraufführung erlebte (Regie: Gabi Rothmüller), ist eine hochvirtuose Schau um ein schreckliches Gefühl.

<P>Max also, der vorgebliche Bühnenlaie, führt durch diesen Abend; das "geliehene" froschgrüne Sakko, die speckige "Billa"-Tüte mit nichts darin als einem uralten Witzbuch signalisieren die totale Improvisation. Doch Schleich wäre nicht Schleich, schlüpfte er nicht - mit einem geradezu besorgniserregend knautschbaren Gesicht - von einer Rolle in die nächste, oft, indem er sich einfach nur einmal um die eigene Achse dreht. <BR><BR>Auf tritt ein derb dröhnender Entertainerklon, der mit dem Horror des Publikums vor öffentlicher Bloßstellung spielt, später sucht ein Untermieter des Theaters im Saal aufreizend stoisch eine entwichene "Teufelsnatter", dann schrillt - in einer rosa Stola - die Hysterie über die Bühne, begleitet von der düster murmelnden Sorge.<BR><BR>Das ist alles furchtbar witzig, präzise formuliert (Co-Autor: Alexander Liegl) und erreicht seine größte Tiefe bei den Soli des Angstmachermeisters Ferdinand Flügel. "Angst geht immer!", preist der eloquente Krämer seine Phobien an, referiert fachkundig über die "deutsche Psychose" - und verwischt (wort-)spielerisch die Grenze zwischen Nonsens und dem täglichen Geschäft der "echten" Panikerzeuger in Politik und Medien. Doch der Erz-Bayer wäre noch viel zu unausgelastet mit Reflexionen über das Grauen an sich, und so gibt er auch wieder hingebungsvoll den bornierten Geiferer und entwirft obendrein das Szenario einer von Konzernen "gekauften" Sprache. Keine Bange also, es ist für jeden etwas dabei. Und dieser Max ist übrigens ein echtes Talent, da muss dem Helmut glatt der Schweiß ausbrechen . . .<BR></P><P>Bis 12. März, mittwochs bis samstags, um 20 Uhr, Tel.: 089/39 19 97.</P>

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