Duffy gibt erstes Deutschland-Konzert in Köln

Köln - Einen ungewöhnlichen Auftakt hatte Popsängerin Duffy am Montagabend für ihr erstes von zwei Deutschland-Konzerten gewählt. Nur von einer Gitarre begleitet sang die Waliserin die Soulnummer "Syrup & Honey".

Schon zum Beginn der rund einstündigen Show vor etwa 3500 Zuschauern im Kölner Palladium machte die derzeit enorm erfolgreiche Newcomerin damit deutlich, wo das Geheimnis ihres steilen Aufstiegs zu finden ist: Es ist ihre starke, außergewöhnliche Soulstimme.

Duffy, die ähnlich wie Amy Winehouse den Soul der 60er Jahre in die Gegenwart holt, gilt in der Musikbranche als eines der größten neuen Talente am Markt. Mit ihrem aktuellen Album "Rockferry" ist sie international erfolgreich. Ihr Hit "Mercy" schaffte in Deutschland im April sogar den Sprung an die Spitze der Single-Charts. Kein Wunder, dass sie nun auch als Liveact gefragt ist. Noch vor wenigen Wochen war ihr Kölner Konzert in den kleinen Räumlichkeiten der Kulturkirche geplant. Der große Ansturm auf die Tickets machte eine Verlegung in das Kölner Palladium notwendig.

Trotz ihres steilen Aufstiegs gibt sich Duffy auf der Bühne noch eher zurückhaltend. Skandalgeschichten wie bei Amy Winehouse gibt es über die blonde Waliserin nicht zu erzählen. Eher brav kündigt sie ihre Titel an und bedankt sich mehrfach bei den Fans für die Begeisterung, die ihr entgegengebracht wird. Die Sängerin, die in dem kleinen Dorf Nefyn in Norden von Wales aufgewachsen ist, setzt in ihrem schlicht inszenierten Auftritt ganz klar auf die Musik.

Eine Reihe gelungener Songs wie "Warwick Avenue" oder "Stepping Stone" zeigen bei ihrem ersten Deutschlandkonzert ihr großes stimmliches Potenzial. Ihre warme, druckvolle und manchmal kratzige Stimme eignet sich für ihren Retro-Sound bestens und weckt Erinnerungen an Soul-Größen wie Dusty Springfield oder Petula Clark. Für eine wirklich mitreißende Show fehlen im Repertoire der jungen Sängerin aber noch mehr Stücke wie "Mercy", für das sie am Ende des Auftritts von den Fans lautstarken Applaus erhält. Vielen Nummern fehlt es am nötigen Drive, um die Zuschauer auf Dauer in Tanzlaune zu halten.

Die Fans, die meisten zwischen 20 und 30 Jahre alt, zeigten sich am Montagabend von der Kölner Show dennoch begeistert. Lautstark fordern sie am Ende die Sängerin mit Zugabe-Rufen auf die Bühne zurück. Mit "Distant Dreamer" haben Duffy und ihre sechsköpfige Band noch ein schönes Stück parat, um die Zuhörer in die Nacht zu entlassen. Für Dienstagabend war ein zweites Deutschland-Konzert in Berlin geplant.

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