Thomas Tuchel ist nicht mehr Trainer von Borussia Dortmund

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Duftige Musik, altbackene Regie

- Ach, wäre der Lappen doch unten geblieben! Dieser Stoßseufzer mag manchem entfahren sein, der am Mittwochabend im Großen Salzburger Festspielhaus die verstaubte, öde Neuinszenierung von Jacques Offenbachs "Les contes d Hoffmann" ("Hoffmanns Erzählungen") anschauen musste. Anhören hätte vollauf gereicht, denn im Graben saßen die Wiener Philharmoniker, mit denen sich Kent Nagano aufmachte, die Schönheiten der Partitur zu entdecken. Der designierte Chefdirigent der Bayerischen Staatsoper, der seine Karriere in Lyon begann, versteht sich auf den leichten französischen Tonfall.

Alles klang transparent, duftig, aufgehellt und sogar die dramatischeren Komprimierungen und großen Ensembles klebten nicht erdenschwer am Boden. Eleganz und Esprit bestimmten das Klangbild, das man sich allerdings auch etwas weniger weich, eine Spur geschärfter hätte vorstellen können. Immer wieder horchte man auf, staunte über aparte Färbungen oder delikate Soli - Flötengezwitscher, punktgenaue Hornstaccati, inbrünstigen Cellogesang oder dunkel grundierende Posaunen - von den Solisten der Wiener leichthändig umgesetzt.<BR><BR>Dass ein "Hoffmann" immer wieder für Überraschungen gut ist, liegt daran, dass der Operettenschöpfer Offenbach starb, bevor er seine einzige Oper vollenden konnte. Es gibt keine gültige Fassung, unterschiedliche Bearbeitungen, und immer wieder tauchten noch in der jüngsten Vergangenheit Fragmente auf. Darunter die hinreißenden Chansons des Nicklausse. Nagano und der schottische Regisseur David McVicar entschieden sich nun in Salzburg für die Misch-Fassung Kaye/Oeser. Aber Quellenstudien hin oder her, das Publikum will eine runde Story mitsamt den Hits - die bekam es zwar, doch so konventionell, kreuzbrav und altbacken, dass es vor allem eines war: stinklangweilig. Bühnen- und Kostümbildnerin Tanya McCallin entwarf ein Einheitsbild für alle fünf Akte: eine überdimensionierte, heruntergekommene, triste Halle mit riesigem Kamin und hohen Türen.<BR><BR>Hier haust der Dichter mit Matratzenlager und Schreibecke auf dem Boden. Ein langer Tisch schiebt sich bei Bedarf (Luthers Weinstube) aus der Seitengasse; Vitrinen mit Präparaten fahren herein (Spalanzanis Kabinett); ein Baum voller Geigen markiert den Antonia-Akt. Erst im Venedig-Akt mit wallendem Bodennebel, einer aus dem Kamin auftauchenden schwarzen Gondel, mit Magritte-Regenschirm und großer Mondkugel rutscht die Szene leicht ins Surrealistische - aber durch die Garnierung mit halb nackten Jünglingen leider auch ins Kitschige.<BR><BR>In diesem Interieur - angereichert mit stilechten, nie angeschrägten Kostümen - spult der Regisseur die Geschichte ab - spannungslos und ohne Überraschungen. Pardon, eine gibt es: Hoffmann hängt nicht nur stückgemäß (wie der historische E. T. A. Hoffmann) an der Flasche, sondern auch an der Nadel! Die Breitwandbühne nutzt McVicar erstaunlich sicher, indem er Solisten und Chöre locker arrangiert. Doch zwischen den Protagonisten entwickeln sich keine Spannungen, knistert es nur ansatzweise zwischen Hoffmann und seiner Muse, die sich in seinen Fantastereien von den drei Frauen per Mantel und Zylinder zum Begleiter Nicklausse verwandelt. <BR><BR>Neil Shicoff hat in seiner Paraderolle als neurotischer, zwischen Kunst und Liebe zerriebener Dichter leichtes Spiel: Er singt und agiert überlegen, fast lässig - von der Regie nicht herausgefordert. Angelika Kirchschlagers Natürlichkeit belebt Muse und Nicklausse, doch die Riesenbühne verschluckt fast ihren feinen Mezzo. Aufhorchen und hinschauen lässt L Ubica Vargicová  als Olympia mit herrlich klaren Koloraturen und einer irritierenden Spielmischung aus Puppe und trotzigem Kind. Krassimira Stoyanovas lyrischer Sopran haucht der todgeweihten Antonia Seele ein, während Waltraud Meier souverän ihre Kurtisane Giulietta abliefert. Schade, dass beim altgedienten Ruggero Raimondi (in den vier Nebenbuhlerrollen als Lindorf Coppelius, Miracle, Dapertutto) der Diamant in der großen Arie nicht mehr wirklich schimmert und dass Marjana Lipovsek als gruselige Mutter-Matrone die aufkeimende Stimmung im Antonia-Akt durchkreuzen muss.<BR><BR>Nach der die Geister scheidenden "Entführung" nun dieser "Hoffmann". Ein inszenatorischer Tiefschlag, aber kein Zugeständnis. <BR><BR>

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