Dunkle Jahre einer Kaiserin

München - Je mehr man über sie liest, desto weniger will man wissen. Das liegt nicht an Romy Schneider. Das liegt an den unzähligen Biografen, Journalisten, Schauspielern, Familienmitgliedern, Freunden, Arbeitgebern, Liebhabern.

An all denen also, die die Geschichte ihres Lebens ausgeschlachtet haben. Hier die Interviews mit "denen, die ihr nahestanden", dort "ein neues Enthüllungsbuch". In der einen Darstellung spielt sie die Rolle der mit dem Feuer spielenden Lebenshungrigen und zugleich -müden, die selbst schuld ist an ihrem Untergang. In der anderen Darstellung ist sie das Opfer, die von den Eltern in ein Korsett gezwängt wurde, aus dem sie sich durch eine letztlich unglückliche und tragische Liebe zu Alain Delon befreien wollte.

Je mehr man über sie liest, umso mehr verliert man auch den Überblick. All die wichtigen Daten von "entscheidenden Wendepunkten" ihres Lebens. Von Entwicklungen, die sich immer dramatischer zuspitzen - bis 1981, bis zum "dunkelsten Jahr ihres Lebens", in dem ihr Sohn David starb.

Romy Schneider, die heute 70 Jahre alt geworden wäre, stammte aus Wien und war die Tochter des österreichisch-deutschen Schauspielerehepaares Magda Schneider und Wolf Albach-Retty. Da Österreich zu diesem Zeitpunkt Teil des Deutschen Reichs war, erhielt sie die deutsche Staatsbürgerschaft. 1953 hatte die junge Rosemarie ihr Filmdebüt in "Wenn der weiße Flieder wieder blüht", in dem auch Götz George erstmals auf der Leinwand zu sehen war. "Als ich die über die Straße kommen sah, da war ich als 14-Jähriger schon irritiert", erinnert er sich. "Ich dachte: Donnerwetter, ist das ein schönes Mädchen, Menschenskind."

Es folgen kleinere Rollen bis zum internationalen Durchbruch 1955 in dem ersten Teil der "Sissi"-Trilogie, der verkitschten, auch verfälschenden Lebensgeschichte von Kaiserin Elisabeth. Fortan sah jeder in Romy Schneider nur noch Sissi. Bei den Filmarbeiten zu "Christine" lernt sie 1958 ihren Kollegen Alain Delon kennen. Die beiden werden ein Paar - und ihre Affäre ein gefundenes Fressen nicht nur für die Boulevardpresse.

Verlobung, Betrug, Trennung, Schmerz: eine endlose Seifenoper aus dem vermeintlich wahren Leben. Was wirklich war, wissen nur die Hauptdarsteller.

1966 heiratet Romy Schneider den Schauspieler und Theaterregisseur Harry Meyen. Ihr Sohn David Christopher wird geboren. Neun Jahre später dann die Scheidung. Weshalb, darüber gibt es zahllose Spekulationen. Er kommentiert dies später mit den Worten: "Ich hatte meine Vorstellungen vom Leben - deshalb musste sich Romy unterordnen. Für mich hat sich nichts verändert, seit wir verheiratet sind."

Schon im selben Jahr heiratet Romy ihren elf Jahre jüngeren Sekretär Daniel Biasini. Am 21. Juli 1977 kommt die gemeinsame Tochter Sarah Magdalena zur Welt. "Ich weiß, dass ich mit meiner Mutter verglichen werde, aber davor habe ich keine Angst", sagt Romy Schneider. 1981 dann das Jahr der Krisen und Schicksalsschläge. Die Ehe mit Daniel Biasini wird geschieden. Zudem muss sie sich einer schweren Nierenoperation unterziehen. Und am 5. Juli verunglückt ihr vierzehnjähriger Sohn David Christopher, als er über einen Zaun mit scharfen Spitzen klettert und abrutscht. Er stirbt noch am selben Tag in der Klinik von Saint-Germain-en-Laye an seinen schweren Verletzungen im Bauchbereich. Ein Paparazzo verkleidet sich als Krankenpfleger und schießt ein Foto vom toten Sohn. Es wird veröffentlicht.

Kurz nach der Premiere ihres letzten Films "Die Spaziergängerin von Sans-Souci" wird Romy Schneider im Mai 1982 von ihrem neuen Lebensgefährten Laurent Petin tot in ihrer Wohnung in Paris, in der Rue Barbet de Jouy aufgefunden. Im Totenschein steht Herzversagen als Todesursache. Alain Delon sieht das anders: "Man kann von ihrer schlechten Gesundheit sprechen, von einer Krise - aber in Wirklichkeit ist Romy an gebrochenem Herzen gestorben." Romy Schneider selbst hat schon früh ihr Dilemma erkannt und formuliert: "Ich kann nichts im Leben, aber alles auf der Leinwand."

Bücher:

Jürgen Trimborn: "Romy und ihre Familie", Droemer Verlag, 575 Seiten; 19,95 Euro. Thilo Wydra: "Romy Schneider", Suhrkamp Verlag, 160 Seiten; 7,90 Euro. Günter Krenn: "Romy Schneider. Die Biographie", Aufbau Verlag, 415 Seiten; 24,95 Euro. Olaf Kraemer: "Ende einer Nacht", Blumenbar Verlag, 187 Seiten; 17,90 Euro.

Romy Schneiders wichtigste Filme

"Wenn der weiße Flieder wieder blüht" ist das Debüt an der Seite ihrer Mutter Magda Schneider (1953).

Die "Sissi"-Trilogie (1955-1957) wird Romy Schneider ein Leben lang prägen. In "Mädchen in Uniform" ist sie mit Lilli Palmer zu erleben (1958).

In der Verfilmung von Franz Kafkas "Der Prozess" arbeitet sie mit Orson Welles. Mit ihrer großen Liebe Alain Delon liefert sie 1968 heiße Szenen in "Der Swimmingpool", bei "Die Dinge des Lebens" (1969) führt Claude Sautet Regie.

Der Kriminalfilm "Das Mädchen und der Kommissar" (1971) zeigt Romy Schneider an der Seite von Michel Piccoli.

Unter der Regie von Luchino Visconti steht sie 1972 noch einmal als Sissi mit Helmut Berger für "Ludwig II." vor der Kamera, im selben Jahr spielt sie zusammen mit Yves Montand in "César und Rosalie".

Für Aufsehen sorgen 1974 die freizügigen Szenen in "Trio Infernal"; 1976 erhält Romy Schneider in Paris für "Nachtblende" in der Kategorie "Beste Schauspielerin" den erstmals vergebenen "César".

Im Jahr 1977 folgt das Filmband in Gold als beste Darstellerin in der Verfilmung des Heinrich Böll-Romans "Gruppenbild mit Dame".

In "Die Spaziergängerin von Sans-Souci" ist Romy Schneider neben Michel Piccoli 1981 in ihrer letzten Rolle zu sehen.

dpa

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