Dunkle Monumente

- Die Schwärze der Nacht deckt alles zu: die Zivilisation, die Hektik, die Endlichkeit. Aus dieser Magie erheben sich die Schemen von Bergen. Im letzten Fünkchen der Dämmerung geben sie ihre Strukturen, ihre thronartigen Aufbauten, ihre weißen Flanken Preis. Eine unheimliche Stille, ein schwebender Zustand zwischen Traum und Sein liegt über diesen Fotografien. Michael Schnabel hat mit seinen nächtlichen Unterfangen ein ungeheuer monumentales und auch ein sehr subtiles Bild des Gebirges eingefangen, das eine wunderbare Klammer zwischen Natur und Kunst ist. Zwanzig dieser 2003 und 2004 entstandenen "Stillen Berge" werden im Alpinen Museum München (Praterinsel) präsentiert.

<P>Samtig, matt, mit Tiefe und einem leichten Schimmern schälen sich die mächtigen Gipfel aus der Arena der Wände. Eine gerade noch wahrnehmbare Spiegelung im See, eine weiße Schneise oder eine bombastische Spitze werden fokussiert. Dafür verbrachte der Stuttgarter, Jahrgang 1966, einige Biwaknächte in der Kälte und wartet auf bewölkte Himmel, um jedes Anzeichen von Mond und Sternen auszumerzen. Mit Belichtungszeiten bis zu einer Stunde konnte er dann Wahrzeichen zeitloser und unnahbarer Schönheit und Schroffheit schaffen.<BR> <BR>Es ist also eine Kunst der Langsamkeit: Im undefinierbaren Dunkel scheint die Gebirgswelt den Atem anzuhalten, um in der Ewigkeit zu verharren. Die Nachtschwärze präsentiert aber nicht nur eine heile Welt irgendwo zwischen Greifbarkeit und Abstraktion, sondern darin liegt auch die ganze Schwere und Gefahr der rauen Gegend. Somit hat Michael Schnabel eine wirklich neue, ebenso durchdachte wie ästhetische Prägung der Faszination Natur geschaffen. </P><P>Bis 12. Juni, Tel. 089/21 12 240; <BR>Bildband: 50 Euro.<BR></P>

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