Die dunkle Verbindung von Geld und Macht

- Eine dramatische Geschichte. Beeindruckend, spannend, furchtbar. Streckenweise wie eine Episode aus der antiken Mythologie. Dann wieder erstaunlich banal. Eine deutsche Geschichte, eine Familiensaga, die keine historische Station des 20. Jahrhunderts auslässt - mit verteilten Rollen: der böse Alte, der missratene Sohn, die leichtfüßigen, aber vom Alten geliebten Enkel, die garstige "Lady Macbeth" und eine Tochter, die wie Klytämnestra den Vater rächen will.

<P>Eine Geschichte auch von Reichtum und Macht, Feindschaft und Liebe, Verpflichtung und Zwang - und Fluchtversuchen: in die Einsamkeit, ins Jet-Set-Leben, in den Tod, in die Kunst. Die Kapitel erzählen von "Friedrich dem Großen", von Nazis und dem Wirtschaftswunder, der gekauften Republik und, am Ende, vom Schönen, Wahren, Guten. Die Geschichte der Flicks ist keineswegs zu Ende, im Gegenteil: Gerade wird im aktuellen Streit um die "Flick Collection" ein neues Kapitel geschrieben.<BR><BR>Eine Zwischenbilanz legt jetzt Thomas Ramge mit seinem Buch "Die Flicks" vor. Ramge ist Journalist und versteht es, kurzweilig zu erzählen. Er ist aber auch Historiker, kann also Quellen lesen und bewerten. Seine Aufgabe in diesem Fall war keineswegs leicht: Noch immer umweht ein Mythos den Namen Flick, der wie nur wenige für die dunklen Seiten der Verbindung von Geld und Macht zu stehen scheint.<BR><BR>"Der Name Flick hallt immer mit einem Dreiklang: Drittes Reich, Zwangsarbeiter, Flick-Affäre." Das sagt nicht Ramge, sondern Gert-Rudolf Flick, der älteste der drei erwachsenen Enkel. Viele Quellen sind nicht einzusehen, vor allem weil der heute 77-jährige Friedrich Karl Flick alles konsequent unter Verschluss hält. Das bedeutet: Es gibt Lücken, Unklarheiten, offene Fragen. Auf der Basis des vorhandenen Materials ist Ramges Darstellung, für die er auch mit Teilen der Familie in Kontakt stand, aber eine hochinteressante, lohnenswerte Lektüre. </P><P>Das beginnt schon mit der Zeit, als aus dem "in einfachsten Verhältnissen" aufgewachsenen Friedrich Flick (1883-1972) nach dem Ersten Weltkrieg ein Stahlindustrieller und der reichste Mann des Deutschen Reiches wurde. "Friedrich Flick der Große" war ein deutscher Selfmademan, der in seiner Mischung aus Gewissenhaftigkeit und Ehrgeiz, Härte und Machtwillen seiner Zeit entsprach. Der Unternehmer arrangierte sich nach 1933 mit der Diktatur. Er profitierte von Staatsaufträgen und kaufte das Vermögen vertriebener Juden zu Dumpingpreisen. Ab Ende der 30er-Jahre wurde Flick der wichtigste Rüstungsfabrikant.<BR><BR>Im Krieg beutete Flick Zwangsarbeiter und KZ-Insassen unter barbarischen Bedingungen aus. 1945 hatte er ein Privatvermögen von über zwei Milliarden Reichsmark - der größte Teil des Firmenvermögens wurde allerdings bald enteignet. Vor dem Nürnberger Tribunal berief er sich auf "Notstand", trotzdem verurteilte man ihn zu sieben Jahren Haft. Vorzeitig entlassen, wurde er binnen zehn Jahren zum zweiten Mal der reichste Deutsche. Und auch heute noch, über 30 Jahre nach seinem Tod, dreht sich im Buch wie im aktuellen Streit im Kern noch immer alles um Friedrich Flick und sein komplexes Erbe. Der alte Patriarch lebt weiter.</P><P>Thomas Ramge: "Die Flicks. Eine deutsche Familiengeschichte über Geld, Macht und Politik". Campus Verlag, Frankfurt a. M.; 290 Seiten, 24,80 Euro.<BR><BR></P>

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