Durch den Raum flitzen

- Immer hingebungsvolle Interpreten, immer schön- präzises Gruppen-Instrument - aber einmal pro Saison dürfen sich Ivan Liskas Staatsballett-Tänzer in die kreative Arena werfen: als "Junge Choreographen" (Münchner Akademietheater). Und Lust, Fantasie, Schweiß haben alle investiert - auch die engagierten Kollegen, die sich in mehreren Stücken besetzen ließen.

<P>Zu DJ-Kratzen, schmissigen Pop- und diversen Klaviermusiken, zu klöppelnden Marimba-Rhythmen und lustig-hüpfigen Spieldosen-Klängen (offensichtlich gerade "in" bei "Staatsballetts") gab's ein lyrisches "Ophelia"-Solo von Valentina Divina (für sich selbst) und ein kraftvoll technik-pralles von Guan Deng (für einen ernst gereiften Alen Bottaini). Gab's einen rasant-skurril herumzickenden und Körper-schlängelnden Pas de deux von Cheryl Wimperis (für sich und Marlon Dino), heftigst applaudiert! Gab's den herz-witzigen Coppelia-Krimi "Spiele nie mit Puppen" von Katja Geiger und von Anita Hutchins ein wunderbar selbstverständlich, in luftig-lässigem Modern-Dance-Duktus durch den Raum tändelndes Frauen-Trio.</P><P>Für mehr als drei Tänzer zu choreographieren trauten sich: Bruce McGormick, handwerklich schon versiert, diesmal mit einer leicht verrätselten latino-american Family-Soap sichtbar etwas Neues versuchend - was jedoch nicht hundertprozentig hinkam. Norbert Graf mit dem ebenfalls etwas rätselvollen "Insections" für vier vielleicht (Bade-)Nixen oder Hexen - d i e aber ständig bewegt in wunderschönen Bodenfiguren und Arm-Schnörkeln. Peter Leung - kann ernsthaft auf das Choreographie-Fach zusteuern - mit einem (im Vokabular) eigenwillig und schön gebauten Sextett um einen "Regenschirm".</P><P>Die totale Überraschung: Pavla Mikolavcics Erstling "Die Stimme in meinem Kopf". Was da in den grauen Zellen der zierlichen Kroatin schräg verrückt tobt und tänzelt, sind zwei Paare in schwarzen Trikots _ sonst alle Haut umzurrt von transparentem Nylon -, die mit ziselierten Marionetten-Schritten hinreißend durch den Raum flitzen. Plus gesichtloses Zwillingspaar auf einer Bank: Oskar-Schlemmer-Geburten, Comic-Gesten begleitend mit Piepse-Tönchen. Und aus Schlitz in Wand heraustastend noch ein männliches pinkrosa Tütü-Wesen. Bühne, Kostüme (auch von Micolavcic), die zirpend-federnde Musik (Jean-Marc Zelwer), Idee, Titel, Durchführung des Konzepts - hier stimmt alles, ist geschlossen rund. Wurde blitzblank getanzt. Und hatte noch Charme und Witz. <BR><BR></P>

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