Durchaus kein Entertainer

- Immer wieder der Daumen. Robin Gibb, Sänger und Songwriter der Bee Gees, verantwortlich für ein paar der bekanntesten Gassenhauer und Boygroup-Blaupausen der Pop-Geschichte, reckte nach jedem neuen Lied, das bei seinem Konzert in der Münchner Philharmonie frenetisch bejubelt wurde, den Daumen in die Höhe und grinste dazu wie ein Lausbub, der gerade besonders laut gerülpst hat. Das macht kein Popstar, das macht höchstens noch der Klinsmann Jürgen.

<P>Da half auch die schnittige Lederjacke nichts: Ein Entertainer wird der 54-Jährige nicht mehr. Macht nichts: Sein Publikum unterhielt der Brite prächtig. Das war allerdings vergleichsweise spärlich erschienen.</P><P>Zu etwa zwei Dritteln waren es die saccharinsüßen Songs der Bee Gees, die es nicht mehr gibt, seit Robins Bruder Maurice vor anderthalb Jahren starb. Hier wurden die Seifenopern allerdings von der ganz großen Besetzung intoniert: Neben Gibbs Band sorgte die 30-köpfige Neue Philharmonie Frankfurt für eine Klangmauer, unter der der schmalbrüstige Tenor nur allzu oft begraben wurde. Doch egal, was passierte, der Daumen blieb gereckt.</P><P>Und je länger das Konzert dauerte, desto mehr nötigte einem das Respekt ab: Jede Wette, dieser schüchterne Schreibtischtäter ist noch nie im Leben auf einer Tanzfläche gestanden. Aber wie er sein Publikum zu "You Win Again" Moik-mäßig mitklatschen und zum Groove von "Staying Alive" schunkeln ließ, das hatte schon was.<BR>Sollte diese Karriere je ein Ende haben, dann sollten sie ihn auf der Wiesn verpflichten. Daumen hoch.<BR></P>

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