Durchs Jammertal der Einsamkeit

- Das kuschelhübsche Heim, der Ratensparvertrag, ein kleiner Zweitwagen und Nachwuchs, alles ist beruhigend auf Harmonie und Haltbarkeit "bis dass der Tod euch scheidet" eingerichtet - und dann verfällt ER den Verführungskünsten seiner Sekretärin. Und SIE, so unerwartet bitter zurückkatapultiert ins Single-Dasein, zieht Bilanz über "Männer und andere Irrtümer". Wahrhaftig kein neues Thema.

Aber Anita Kupsch, man kennt sie von Bühne und TV ("Praxis Bülowbogen"), begibt sich mit solch intensiver Tragikomik hinein in diesen Monolog von Michèle Bernier und Marie Pascale Osterrieth, dass sich das mehr als Bekannte doch noch zum unterhaltsam-heilsamen Theatererlebnis verdichtet (Münchner Komödie im Bayerischen Hof).

Die Vorlage zum Stück ist ein preisgekrönter Comicstrip von Florence Cestac. Und Anita Kupsch, von Manfred Langner klug an lockerer Regie-Leine gelassen, überträgt den Comic mit ganz eigenem Ton und von Fall zu Fall mit komisch überzeichnender Geste auf die Bühne. Wo sich Cestacs betrogene Ehefrau zum wutgeifernden mann-fressenden Rachemonster auftürmt, spielt die Kupsch einen liebenswerten Puck im klassischen Alltagsmärchen "Mann in der Midlifekrise", und das mit einer irgendwie zarten, aber nie nachlassenden Energie. Egal, was sie da aus der waidwunden Seele der Abgehalfterten hervorsprudeln lässt: vom nüchternen Abchecken der Alterungsmerkmale - Rettungsring und zunehmender Ohrhaarwuchs bei mann, Cellulitis und Schnurrbart bei frau - bis zum "absoluten Nullpunkt in Sachen Schmusen", man lässt den Blick nicht von ihr.

Guckt und lauscht, wie sie in ihrem smart-schlichten Reißverschluss-Outfit durch das Jammertal der plötzlichen Einsamkeit und Verunsicherung tänzelt, die ratgebenden Freundinnen zu Witzfiguren nachahmt, den Ungetreuen zum buckligen Ratlos-Männlein schrumpfen lässt und Gatterichs Geliebte, hier dem Comic getreu, als blondlockige (Nutten-)Fee verhohnepipelt. Eine Clownin, alterslos jung, immer ganz nah beim Publikum - das sie dafür liebt.

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