+
Klaus Eberhartinger von der EAV spricht über die Abschiedstour.

Interview mit dem EAV-Frontmann Klaus Eberhartinger

EAV-Sänger spricht über Band und Abschied: „Im Exzess Hand in Hand die Klippen hinunter gestürzt“

Die EAV ist 2019 auf Abschiedstour gegangen. Klaus Eberhartinger, Sänger der österreichischen Kultband, spricht über Drogen-Exzesse und den schweren Schritt, aufzuhören. 

  • Die Band Erste Allgemeine Verunsicherung hat 2019 ihre Abschiedstour gegeben. 
  • Die Krawalltruppe um Klaus Eberhartinger und Thomas Spitzer wurde Ende der 1970er Jahre bekannt.
  • Im Interview erzählt Klaus Eberhartinger von einer intensiven Freundschaft, von Drogenexzessen und vom Abschied.

München - Nach mehr als 40 Jahren verabschiedete sich heuer die Erste Allgemeine Verunsicherung, eine der erfolgreichsten Bands Österreichs, von der Bühne – zum Kummer der Fans. Unsere Zeitung sprach mit Frontmann Klaus Eberhartinger (69).

Zum Abschied erscheint jetzt eine Biographie der EAV…

Eberhartinger: Das Buch war eine Idee vom Thomas Spitzer. Er hat Unmengen von Fotos gesammelt, alte Videos und alles Mögliche. Er wollte das in einem Buch bündeln. Ich habe Teile davon vorher nicht gesehen, da hätte ich ein bisschen redigiert, was die wilden Zeiten angeht. Aber jetzt ist es eh wurscht. Was da durch die Presse ging, mit Kokain-Exzessen und so, war ja so. Aber das ist im wörtlichen Sinne Schnee von gestern.

„Erste Allgemeine Verunsicherung“ (EAV): Abschiedstour 2019

Im Buch werden Sie als Hirtenhund bezeichnet, der auf die Herde aufpasst.

Eberhartinger: Ja, das liegt vielleicht an meiner Biographie. Ich bin als junger Mensch mit Drogen in Verbindung gekommen. Ich habe damals erkannt, dass die Droge so lange lustig ist, wie du sie reitest. Wenn die Droge dann irgendwann dich reitet, musst du dich sofort verabschieden. Und das habe ich dann später auch bei uns beobachtet. Als es zu grausam wurde, habe ich klar gemacht: So geht es nicht mehr.

Als die EAV auftauchte, war das eine vogelwilde Krawalltruppe. Nie hätte man geglaubt, dass das eine kommerziell erfolgreiche Band wird…

Eberhartinger: Wir waren damals im Chaos zuhause. Und wir sind mit Wilhelm Busch aufgewachsen – das darf man nicht unterschätzen. Dann kam die Nachricht, unser Alpenrap ist in Österreich Nr. 3 der Charts. Wir haben uns angeschaut und uns gefragt: „Was heißt des jetzt?“ Wir konnten ins Fernsehen, und denen hat gefallen, wenn wir da ein Spektakel aufgeführt haben.

Thomas Spitzer und Sie sind ewig befreundet und gleichzeitig geschäftliche Partner. Wie bewahrt man die Freundschaft?

Eberhartinger: Wir haben uns immer gut verstanden, manchmal im Exzess auch Hand in Hand die Klippen hinunter gestürzt. Wir haben auch gestritten. Aber wehe, der Feind kam von außen.

EAV: Abschiedstour der „Ersten Allgemeinen Verunsicherung“

Sie waren auf Abschiedstour. Wann gibt’s das Comeback?

Eberhartinger: Ich habe Thomas gesagt, dass man sich nach 40 Jahren langsam mit dem Thema befassen muss, da war er nicht so glücklich. Aber ich konnte ihn überzeugen, dass es schöner ist, wenn die Leute sagen: „Schade, dass ihr aufhört“. Gut, man kann dann doch noch mal eine weitere Abschiedstour machen, wie die Rolling Stones. Aber für die nächsten zwei, drei Jahre ist das Thema für mich gegessen. Aber die Entzugserscheinungen werden schon noch kommen. 

Von Zoran Gojic

Gleich an drei Abenden ist die österreichische Kultband im Musikzelt beim Sommer-Tollwood aufgetreten.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Brecht an den Kammerspielen: Ausweitung der Kampfzone
Christopher Rüping inszenierte „Im Dickicht der Städte“ von Bertolt Brecht an den Münchner Kammerspielen. Am Samstag war Premiere. Lesen Sie hier unsere Kritik: 
Brecht an den Kammerspielen: Ausweitung der Kampfzone
18-jährige Billie Eilish räumt bei den Grammys ab - auch Deutsche unter den Gewinnern
Bei der 62. Grammy-Show räumte die erst 18-jährige Billie Eilish richtig ab. Unter den Siegern waren auch Deutsche. Der Tod von Kobe Bryant überschattete die Verleihung.
18-jährige Billie Eilish räumt bei den Grammys ab - auch Deutsche unter den Gewinnern
„Messias“ bei der Salzburger Mozartwoche: Fragt nicht, warum
Rätselspiele und keimfreie Assoziationsware: Robert Wilson greift beim „Messias“ für die Mozartwoche in seinen Bilderzauberkasten.
„Messias“ bei der Salzburger Mozartwoche: Fragt nicht, warum
Trauer um Schmidt-Modrow: „Bleib’ uns zugeschaltet, Ferdi!“
Schauspieler Ferdinand Schmidt-Modrow ist mit 34 Jahren überraschend verstorben - jetzt gab es in München eine bewegende Trauerfeier.
Trauer um Schmidt-Modrow: „Bleib’ uns zugeschaltet, Ferdi!“

Kommentare