Eben das volle Programm

- "Die Theater entschließen sich heute im Zweifelsfall immer noch eher für einen Mozart. Das ist ein Schicksal, das Domenico Cimarosa etwa auch mit Joseph Haydn teilt. Von den Stücken her ist mir das nicht ganz verständlich, weil ich viele Opern dieser Komponisten wirklich ausgesprochen schön finde." Deshalb nun bietet Dominik Wilgenbus dem Publikum die Gelegenheit, eine von ihnen einmal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Vorgenommen hat sich der Regisseur zu diesem Zweck Cimarosas Opera buffa, "Die heimliche Ehe", die in einer neuen und leicht gestrafften Textfassung am Montag im Hubertussaal von Schloss Nymphenburg Premiere hat.

"Unsere Version bleibt zunächst einmal relativ treu an der Geschichte. Große Aktualisierungen sind da nicht drin, weil ich denke, dass es ein Stück ist, das man im 18. Jahrhundert wirklich genauso ansiedeln kann wie im 20. oder 21.", versichert Wilgenbus, für dessen Herangehensweise an diese quirlige Komödie aber noch ein weiterer Aspekt eine Rolle spielt: "Natürlich liefert allein schon der Raum, den wir hier haben, eine klare Vorgabe. Wenn ein so wunderbares Ambiente vorhanden ist wie der Hubertussaal, dann bringt es für mich jetzt keinen höheren Lustgewinn, wenn man dort auf einmal groß ,modern’ werden wollte."

Die zeitlose Geschichte um den Kaufmann Don Geronimo und seine beiden heiratsfähigen Töchter - die leider eine etwas andere Vorstellungen von der Ehe und von ihren Zukünftigen haben als der werte Herr Papa - verfügt für den Regisseur dabei über ihre ganz eigenen Tücken. "Vergleiche mit Mozart hat es natürlich schon immer gegeben. Oft versucht man dann, auch auf diese Stücke so eine psychologisierende Spielweise anzuwenden, und das vertragen sie nicht."

Die Herausforderung liegt vielmehr darin, sich aus diesem Schatten zu lösen und eine neue szenische Sprache zu finden. Denn "schon die Musik hat hier eine ganz andere Haltung. Das Gleichzeitige von verschiedenen Gefühlen wie bei Mozart hat diese Musik nicht, und das will sie auch gar nicht haben. Aber wenn man die Spielweise darauf abstellt und akzeptiert, dass es einfach etwas anderes ist, dann funktionieren diese Stücke wunderbar." Wobei für Dominik Wilgenbus deswegen auch eine auf den ersten Blick scheinbar simpel gestrickte Opera buffa wie die "Heimliche Ehe" keineswegs nur auf die bloße Klamotte reduziert werden muss: "Das Publikum wird ja gerne unterschätzt. Aber die Menschen wollen sich eben nicht nur permanent auf die Schenkel klopfen. Sie wollen alles haben. Natürlich will man sich gut amüsieren und lachen, aber wenn man daneben auch einen Moment hat, wo man einfach mal so richtig mitheulen kann, dann ist das noch besser. Eben das volle Programm."

Vorstellungen am 21./22./23. und 27.8. im Hubertussaal, Schloss Nymphenburg. Karten unter 089/ 54 81 81 81.

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