Echte Gefühle im Traum-Raum

- Verträgt eine Stadt drei Opernhäuser? Nur mit Mühe kann Berlin sein Musentempel-Trio über Wasser halten. Und während an der Spree gekämpft wird, rüstet man sich an der Isar schon fürs vierte Unternehmen. "Oper im Schloss" heißt diese Institution, die neben Nationaltheater, Gärtnerplatztheater und Pasinger Fabrik bestehen will. Der Titel ist Programm: Markus Elsner, Dirigent und künstlerischer Leiter, nutzt nämlich Gunnar Petersens Theaterzelt "Das Schloss" an der Schwere-Reiter-Straße.

<P>Erstes Projekt ist Verdis "Rigoletto", inszeniert von Marianne Loy und besetzt mit einer jungen, internationalen Solistenriege. Premiere ist am 24. Oktober, acht Vorstellungen folgen. "Das ist ein Traum-Raum, nach dem ich lange gesucht habe", schwärmt Elsner vom Schloss. Die Intimität des Zelts erlaube ein unmittelbares Theater-Erlebnis, gleichzeitig könnten sich Opernstimmen wunderbar entfalten. Viele störten sich doch an der Distanz zwischen Publikum und Bühne: "Wir bieten daher nicht große, sondern echte Gefühle."<BR><BR>Dass er mit seinem Projekt auf ähnlichem Gebiet wie die Pasinger Fabrik wirkt, die sich als "Münchens kleinstes Opernhaus" bezeichnet, räumt Elsner ein. Doch im Unterschied zu Pasing wolle man keine komischen Werke aufführen, auch werden die rund 320 Schloss-Gäste nicht während der Vorstellung bewirtet, erleben also eine "klassische" Theatersituation. "Rigoletto" wird außerdem in Originalsprache gespielt, Übertitel sollen fürs Verständnis sorgen.<BR><BR>Regisseurin Marianne Loy möchte das Stück als eine Art Theater auf dem Theater erzählen, als Aufführung einer Wanderbühne. Trotz des schaurigen Endes mit der toten Gilda könnte die Handlung also wieder von vorn beginnen. Im Zelt spielt Elsners "Orpheus Ensemble München" eine Fassung für zwölf Instrumentalisten, auf kurzen Tourneen wären auch Abende mit größerem Orchester denkbar, denn: Das "Rigoletto"-Ensemble wurde bereits für zehn Gastspiele verpflichtet - was der finanziellen Situation der neuen Truppe nur zugute kommt.<BR><BR>Münchner Musikfans ist das Duo Elsner/ Loy bereits ein Begriff: durch Glucks "Orfeo ed Euridice" und Offenbachs "Orpheus in der Unterwelt". Elsner leitete überdies 1999 die Pasinger Aufführung von Mozarts "Così` fan tutte", die mit dem Förderpreis des Münchner Merkur prämiert wurde.<BR><BR>Der Dirigent plant bereits über den "Rigoletto" hinaus. Im Frühjahr soll eine Oper für Kinder gezeigt werden, danach nimmt sich Marianne Loy Mozarts "Don Giovanni" vor. Möglich seien auch "Schloss-Konzerte" oder "neues Musiktheater". Zwei bis drei Produktionen pro Jahr will "Oper im Schloss" bieten, vorausgesetzt, die Unternehmung wird angenommen. Doch Elsner ist optimistisch: "Die Frage, ob München noch ein viertes Opernhaus braucht, wird das Publikum mit ja beantworten."</P><P>Informationen: www.oper-im-schloss.de<BR>Karten: 089/ 54 81 81 81.<BR></P>

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