Echte Noblesse

- "Das ist wirklich ein Abend, an dem man dem Herrgott nur dankbar sein kann, dass man in München und nicht irgendwo lebt!", bilanzierte Oberbürgermeister Christian Ude zu Beginn des "Klassik am Odeonsplatz"-Konzertes der Münchner Philharmoniker die mediterrane Wetterlage.

Zwischen Residenz, Feldherrnhalle und Theatinerkirche fand dieses zum fünften Mal statt. Die Münchner Philharmoniker hatten - anders als Tags zuvor ihre Kollegen vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit "A Tribute to Leonard Bernstein" - dem Konzert kein Motto vorangestellt, sondern einzig berühmte, anspruchsvolle Werke im Programm platziert.

Alexander Liebreich, ab der Saison 2006/07 neuer musikalischer Leiter des Münchener Kammerorchesters, dirigierte erstmals die Philharmoniker. Zum besseren Verständnis von Ludwig van Beethovens Violinkonzert, Prokofjews "Symphonie classique" und Tschaikowskys Fantasie-Ouvertüre "Romeo und Julia" war Senta Berger als Moderatorin engagiert. Klassische Musik hat es allerdings nicht nötig, derart betulich-naiv angepriesen zu werden.

Maxim Vengerov spielte Beethovens ausgedehntes Violinkonzert nicht nur mit technischer Brillanz, sondern auch mit warmer, runder Tongebung und Noblesse. Wie auf Bestellung folgte auf seine gemeinsam mit dem Orchester gespielte Zugabe von Jules Massenets "Meditation" aus "Thais" dramaturgisch perfekt das 22-Uhr-Läuten.

Schlank und vital gestaltete Liebreich die "Symphonie classique", energetisch dicht folgte die Skizzierung der menschlichen Gefühlssphäre in "Romeo und Julia". Und hier hatte denn das 23-Uhr-Läuten zum Amüsement von Publikum und Musikern einen guten Zeitpunkt - eine kleine Pause - abgepasst. Enthusiastischer Beifall.

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