Echte Überraschungen

Tutzing/Schweinfurt - Wachsende Beachtung findet die Malerei eines expressiven Realismus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Nach der längst etablierten Stiftung von Teilen der Sammlung Rainer Zimmermann ins Marburger Universitätsmuseum werden die 350 Gemälde der Sammlung Joseph Hierling (Tutzing) im Frühjahr 2009 ihren Ort in der dann fertig gestellten Schweinfurter Städtischen Kunsthalle finden.

Die Dachauer Gemäldegalerie zeigt unter dem Titel "Faszination Wirklichkeit" jetzt eine Auswahl aus der tourenden Wiesbadener Sammlung Frank Brabant. Der Vorzug der Sammlung Brabant ist, dass sie sich nicht beschränkt auf die Wiederentdeckung zu Unrecht vergessener Expressionisten und Realisten. Bei der ihn seinerzeit beratenden mäzenatischen Frankfurter Kunsthändlerin Hanna Bekker vom Rath, wo der aus Schwerin stammende Frank Brabant 1964 seinen ersten Kauf bewerkstelligte, begegnete er Schmidt-Rottluff und Heckel, Ida Kerkovius, Emy Roeder und Ludwig Meidner noch persönlich.

Exzellente Bilder von Beckmann, Hofer bis Jawlensky

In Dachau demonstrieren Bilder wie Max Beckmanns 1941 im Amsterdamer Exil entstandenes "Stillleben mit grüner Kerze" und Jawlenskys ganzfigurige "Helene im spanischen Kostüm" (um 1901) die ganz unkonventionelle Kompetenz eines Sammlers, der sich zur pastosen, breit gelagerten Leuchtkraft von Alfred Hoffmanns "Sitzendem weiblichen Akt" (1932) ebenso bekennen kann wie zu einem 1916 von Maria Caspar-Filser höchst differenziert gemalten Blumenstrauß in der Vase. Das ist in reizvoller Korrespondenz neben Lovis Corinths fulminantes Interieur von 1912 ("Charlotte rückseitig im Sessel") platziert ­ oder zu einer ganz klassisch aufgebauten Tessiner Landschaft Karl Hofers von 1925/27.

Die vorgegebene Einteilung in Expressionismus, Neue Sachlichkeit und Kritischer Realismus folgt dem üblichen Schema. Entscheidend in dieser von Elisabeth Boser konzipierten Präsentation ist jedoch nicht die Wiederkehr des Gewohnten, sondern die Überraschung mit exzellenten Bildern. Die museal meist vernachlässigten Realisten machen gute Figur mit Paul Kleinschmidts "Pianistin aus der Damenkapelle" (1937), mit einem "Mädchenakt" Julius Hüthers (1923) oder mit Christian Arnolds Lichtkomposition eines dicht gestaffelten Vorstadtabends (1924).

Die "schärferen Sachen" hängen bei der Kunst auf Papier ­ einen Stock tiefer. 

Bis 9. September,

Konrad-Adenauer-Straße 3, Tel. 08131 / 56 75-0; Katalog 17 und 29 Euro.

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