Ein echtes Pracht-Resultat

- Olympische Ausmaße - bei der Bosl-Ballett-Matiné´e im Münchner Nationaltheater. Die kunstvoll arrangierten Gruppen-Tableaux schienen fast die Bühne (die zweitgrößte Europas!) zu sprengen. 140 Ballettstudenten, gebändigt auf ästhetische Linie, Präzision und Musikalität, das hat bisher in München nur eine geschafft: Ballett-Akademie-Leiterin Konstanze Vernon. Und: "Niemand hat bisher hier 25 Jahre in einer Institution durchgehalten", gestattet sie sich verschmitzt indirekt selbst ein kleines Lob. Sonst aber keine Rückblick-Weihen zum 25. Jubiläum ihrer Heinz-Bosl-Stiftung. Nur Dank an Ehemann Fred Hoffmann - und knapp skizziert sie den der Stiftung zu verdankenden Aufstieg vom staatlichen "Zwei-Lehrer-Betrieb" Ende der 70er-Jahre zum international renommierten Ballett-Leistungszentrum. Was da an Schweiß, Tränen und natürlich Leidenschaft investiert wird!

<P>Wir sehen ja nur das Pracht-Resultat: eine Bühne, übersät mit kleinen Ballett-Ratten. Aber die Haltung, oho, ist schon ganz "große" Ballerina. Und dann im fliegenden Wechsel (mein Gott, allein die Punktgenauigkeit dieser Auftritte von rechts und links) alle Klassenstufen - jeweils in anderer Trikotfarbe - mit einer Kostprobe ihres Stangen-Exercices, hauchfein begleitet von Pianist Alioscha Zimmermann. </P><P>Superprofessionelle Junior-Compagnie</P><P>Danach die "Bosls" als superprofessionelle Junior-Compagnie: abstrakt-sportlich in Hans van Manens genial schlichtem Steve-Reich-Ballett "Wet Desert", mit verhalten schönem Ausdruck zu Dvorak in Jiri Kyliá´ns Tänzer-Sextett "Evening Songs". </P><P>Und schließlich eine große, beschwingte Bosl-Crew in "Simple Celebration" von dem Briten Robert North. Mit seinem witzig-akrobatischem "Troy Game" war das Harlem Dance Theater 1981 umjubelter Bosl-Matiné´e-Gast. Und genau so umjubelt jetzt Konstanze Vernons Studenten in seiner maßgeschneiderten Uraufführung zu Benjamin Brittens "Simple Symphony". Im Pizzikato-Satz fegen sie in geschlossenem Feld vorbei. In der Sarabande erleben Paare ihre individuellen Beziehungen. North verbindet schulische Klassik-Schritte, immer sehr humorvoll, und den weich fließenden Stil, wie man ihn vom London Contemporary Dance Theatre kennt. Die "Bosls" hier wie dort ganz in ihrem Element. </P><P>Zehn Absolventen sind bereits engagiert zwischen Budapest und Zürich. Der japanische Wirbelwind Keigo Fukuda geht nach Stuttgart, der sehr präsente Wolfgang Tietze zu Vladimir Malakhov an die Lindenoper Berlin. Stephanie Hancox und Ilana Werner demnächst in Liskas Staatsballett.</P><P>Bosl - oder Fortsetzung folgt.</P>

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