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Eddie Redmayne, der 2015 einen Oscar gewann, gilt schon wieder als heißer Kandidat für die Auszeichnung. In „The Danish Girl“ spielt er den dänischen Maler Einar Wegener, der in dem hier gezeigten Moment erkennt, dass er als Frau leben möchte.

"The Danish Girl"

Interview zum Kinostart: Eddie Redmayne - wird das der nächste Oscar?

Interview zum Kinostart: Der britische Schauspieler Eddie Redmayne spricht über „The Danish Girl“ und das Thema Geschlechtsumwandlung.

Nach seinem Durchbruch mit Filmen wie „My Week with Marilyn“ oder „Les Misérables“ gewann der 33-jährige Engländer Eddie Redmayne im vergangenen Februar den Oscar als bester Hauptdarsteller für seine Verwandlung in den ALS-kranken Astrophysiker Stephen Hawking in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“. Nun gilt er schon wieder als heißer Oscar-Kandidat: In „The Danish Girl“ (Kinostart ist am Donnerstag) spielt er den dänischen Maler Einar Wegener, der sich 1930 als einer der ersten Männer einer Geschlechtsumwandlung unterzog, um fortan als Lili Elbe zu leben.

Kannten Sie die Geschichte dieses außergewöhnlichen Menschen?

Nein. Als Regisseur Tom Hooper mir das Drehbuch während unserer Arbeit an „Les Misérables“ gab, hat es mich umgehauen. Meine Ignoranz gegenüber dem Thema Transgender war frappant. Aber ich konnte darüber mit Jennifer Whyte sprechen, meiner Klavierbegleiterin bei „Les Mis“, die sich gerade selbst in eine Frau verwandelt hatte. Und die transsexuelle Regisseurin Lana Wachowski entpuppte sich bei unseren Dreharbeiten zu „Jupiter ascending“ als großer Fan von Lili Elbe: Lana besitzt sogar Gemälde von Lili und hat mir viel über sie beigebracht.

Was war für Sie die größte Herausforderung dieser Rolle?

Lilis emotionale Reise nachzuvollziehen. Ich habe mich ihr angenähert, indem ich lange Gespräche mit Transfrauen geführt und dann versucht habe, deren Erfahrungen in den historischen Kontext einzuordnen. Man darf ja nicht vergessen, dass Lili eine Pionierin war: Für sie gab es damals keine Vorbilder, keine Trans-Community, nicht einmal ein Vokabular, um etwa gegenüber den Ärzten, die sie für geisteskrank hielten, zu beschreiben, was in ihr vorging – nur dieses seltsame Gefühl, im falschen Körper geboren worden zu sein.

Wie haben Sie sich in Lili verwandelt?

Ich erinnerte mich daran, dass einige Transfrauen mir gegenüber den Beginn ihrer Übergangsphase als „Hyperfeminisierung“ bezeichnet hatten: eine Zeit des unsicheren Experimentierens, in der man erst langsam den Make-up-Gebrauch lernt, anfangs zu dick aufträgt, sich in etwas zu aufreizende Fummel wirft und es mit dem weiblichen Gang übertreibt – wie viele Mädchen in der Pubertät. So ähnlich habe ich das auch empfunden.

Fanden Sie sich als Lili attraktiv?

O Gott, nein! Nein, nein! Zuallererst dachte ich: Verdammt, ich sehe ja genauso aus wie meine Mutter! Und dann werde ich nie vergessen, wie mich die männlichen Crewmitglieder angestarrt haben, als ich zum ersten Mal als Lili zum Set kam. Ich fand es schrecklich, so taxiert zu werden. Dabei müssen Transsexuelle viel mehr aushalten: Bei ihnen kommt ja die ständige Angst vor Übergriffen hinzu. Das Ausmaß der Gewalt gegenüber Transfrauen, vor allem gegen Farbige, ist schockierend. Da gibt es noch viel zu tun!

Stimmt es, dass Sie selbst auch malen?

Ja, aber ziemlich schlecht. Es hilft mir, mich zu entspannen – allerdings fehlt mir meist die Zeit. Während ich in meiner Jugend noch viel gemalt habe, komme ich heutzutage oft monatelang nicht dazu. Dann denke ich in meiner grenzenlosen Naivität, im Zuge der zunehmenden Reife, Weisheit und Erfahrung müssten sich in der Zwischenzeit auch meine Fähigkeiten als Maler verbessert haben. Leider ist das Gegenteil der Fall. Einfach erbärmlich!

Wie haben Sie vor einem Jahr Ihren Oscar-Gewinn erlebt?

Wie im Rausch. Es ging alles so schnell! Du sitzt nervös im Saal inmitten von Frauen, die sich in Kleider gezwängt haben, in denen sie kaum Luft bekommen; du darfst deinen Platz nicht verlassen und weißt nicht, wo du hinschauen sollst, weil 1000 Kameras auf dich gerichtet sind; plötzlich wird dein Name genannt, Cate Blanchett überreicht dir die Statuette, und eine Sekunde später stehst du im Nebenraum vor einer Pressemeute und sollst sagen, wie du dich fühlst. Ich kam noch nicht einmal dazu, meine Frau zu umarmen!

Wie gehen Sie mit den aktuellen Oscar-Spekulationen um?

Ach herrje! Soll man mich etwa für die beste weibliche Hauptrolle nominieren? (Lacht.) Wissen Sie, unsere Produzentin hat 15 Jahre lang gebraucht, um Geldgeber zu finden, und ich selbst musste drei Jahre warten, bis der Film endlich gedreht werden konnte – wir alle sind einfach nur froh, dass „The Danish Girl“ nun tatsächlich in die Kinos kommt. Aber wenn die Oscar-Gerüchte den Leuten noch mehr Appetit auf den Film machen, umso besser!

Das Gespräch führte Marco Schmidt

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