„Eduard Schleich d. Ä. und Carl Spitzweg – Eine Künstlerfreundschaft“

Dachau - Ein winzig-winzig kleines Bild: Man registriert es beim Betreten der Ausstellung nur im Augenwinkel und bleibt doch gleich hängen. Wer traut sich, in solch einem Format das Land vor München mit der Stadtsilhouette so entspannt wie sicher hinzuwerfen?

Einer der angesehensten bayerischen Landschafter seiner Zeit: Eduard Schleich (1812 bis 1874). Ihm und seinem noch berühmteren Spezi widmet die Gemäldegalerie Dachau die Ausstellung „Eduard Schleich d. Ä. und Carl Spitzweg – Eine Künstlerfreundschaft“. Kuratorin Elisabeth Boser nahm den 200. Geburtstag von Schleich im kommenden Jahr (14. Oktober) zum Anlass, eine richtig große, runde Schau mit 60 Schleich- und 43 Spitzweg-Werken zu präsentieren, hauptsächlich aus Privatbesitz.

Spitzweg (1808 bis 1885) und Schleich, beide Autodidakten, waren enorm viel unterwegs; nicht nur in Bayern und Österreich, sie schwärmten auch aus in die Lande zwischen England und Italien. Andere Malerfreunde wie Christian Morgenstern oder Carl Ebert waren öfters dabei. Klugerweise versucht die Präsentation nicht, Schleich und Spitzweg krampfhaft auf einen Nenner zu bringen. Jeder wird eigenständig vorgestellt, kommt also zu seinem künstlerischen Recht – Schleich vor weißem Hintergrund, Spitzweg vor rotem (sogar mit einem intimen „Pavillon“). In diesem Arrangement kann der Besucher der Gemäldegalerie spüren, wie sich die Freunde gegenseitig begleiteten, aber nie beeinflussen oder einander anpassen wollten. Beide mussten sich damals gegen das akademische Mal-Dogma durchsetzen. Eduard Schleich war als junger Bursche von 17 wegen „völliger Talentlosigkeit“ aus der Münchner Kunstakademie geschmissen worden. Beide gingen jedoch ihren Weg – und hatten schließlich Erfolg.

Schleich, unehelicher Sohn eines Barons und seiner Haushälterin, wird zunächst mit seinen frühen Gemälden, den Gebirgslandschaften, vorgestellt. Romantik und Realismus klingen noch an, feinste Genauigkeit liegt im Pinselauftrag. Schön, wie der Künstler die besonnten Gipfel aufstrahlen lässt und Matten, Seen, Gehölze in gedämpften Tönen absetzt. Später wird der Pinselstrich immer freier, souveräner, gewissermaßen impressionistisch. Die Lust am Licht, seinen Stimmungen und Spielen, bleibt. Auch wenn Schleich nur ein Flüsschen mit ein paar Kühen, einer Böschung mit Erlen und einem Hausdach malt, inszeniert er das Unspektakuläre mit Licht, Wolken und Himmel. Ob der Blick von Dachau über München hinweg auf die Alpenkette, ob der Ammersee oder eine unbekannte ländliche Ecke, Eduard Schleichs Malerei sorgt für Faszination.

Die hat wohl Spitzweg angeregt, sich hin und wieder an Landschaften zu versuchen. Für uns heute am interessantesten sind die – immer Kleinformat –, bei denen er die topografischen Formen kompakt verdichtet und so erstaunlich monumentalisiert. In der Gemäldegalerie freut man sich besonders, auch ein paar untypische Spitzweg-Arbeiten zeigen zu können. Etwa die beiden Dachauerinnen in ihrer wunderschönen Tracht. Natur kam bei dem Münchner Apotheker natürlich reichlich vor. Allerdings oft als Symbolraum für die Geschichten, die er erzählen wollte.

Bei den „Streitenden Eremiten“ ist die weite Landschaft nur eine blaue Ahnung hinter dem Ruinen-„Guckloch“. Vorne ergibt sich eine intim abgerundete, allerliebst ausgestattete Naturbühne für die derb gestikulierenden heiligen Männer. Bei all dieser Theater-Strategie vergewaltigt Carl Spitzweg die Natur nie, ja er scheint vielmehr gerade in ihren Varianten- und Detailreichtum geradezu verliebt zu sein.

Simone Dattenberger

Bis 9. April,

Konrad-Adenauer-Straße 3, Di.-Fr.11-17 Uhr; Wochenende und feiertags 13-17 Uhr; Katalog: 22 Euro.

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