Ehrwürdige Wucht

- Ein großer Chor, begeisterte Mitwirkende, die sich im Foyer des Herkulessaals mit Angehörigen und Freunden trafen, am Ende strahlende Gesichter im Publikum und auf dem Podium in dem Stolz, eines der gewichtigsten Oratorien des 19. Jahrhunderts gestemmt zu haben: Die Aufführung von Felix Mendelssohn Bartholdys "Elias" durch Mozart Vokal Ensemble, Andechser Chorgemeinschaft und die Camerata Andechs darf als Musterbeispiel gelten für die gottlob noch immer existierende vitale Kultur des Musizierens von Liebhabern und Laien - auch wenn die Altersstruktur im Chor die allgemeine Bevölkerungspyramide ziemlich adäquat widerspiegeln dürfte.

<P>Was gelang bei diesem Kraftakt, was nicht? Besonders gut stand die Aufführung dort da, wo es um die Wucht vollen Chor-Orchester-Sounds ging, die alttestamentarische Ehrwürdigkeit erhabener Harmoniefolgen, am liebsten noch mit satten Orgelklängen veredelt. Der filigrane Mendelssohn hingegen blieb - schon die schwimmenden Fugati der Ouvertüre hatten es befürchten lassen - immer wieder auf der Strecke: wenig etwa von seinem nazarenisch überglänzten Flirren im berühmten Doppelchor "Denn er hat seinen Engeln befohlen". Solches zu vollbringen, bleibt wohl doch den Profis vorbehalten.</P><P>Ähnlich zwiespältig der Eindruck, den die Solisten hinterließen: Anna Haases Alt, leicht hauchig in der Tiefe und im Piano, gewann im zweiten Teil an dramatischer Kraft, Jan-Martin Mächler (Tenor) sang klangschön-solide. Elias: der große, ehrenwerte Bernd Weikl. Und dennoch eine Stimme, die ihre besten Tage hinter sich hat, kraftvoll den Raum füllend, gut artikuliert, dabei mittlerweile mit viel unbaritonaler Schärfe im Timbre. Die Palme aber gebührte Sopranistin Bettine Kampp. In ihrem emphatisch-klaren, gut fokussierten Singen wurde er dann doch noch Wirklichkeit, der pulsierende Mendelssohn'sche Sehnsuchtston.<BR></P>

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