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Frank-Peter Zimmermann im Herkulessaal bei den Proben zu den Konzerten (heute und morgen, 20 Uhr)

Eifersüchtig auf die Stradivari

München - Geiger Frank-Peter Zimmermann über Szymanowski, seine Frau und sein Münchner „Residence“-Programm:

„Artist in residence“ – Frank-Peter Zimmermann lacht: Er erfüllt diesen „Job“ zum ersten Mal und freut sich, dass das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ihn dazu eingeladen hat. Vier Konzerte, für die er die Violin-Werke eigenhändig aussuchen durfte, locken den Geiger (Jahrgang 1965) in dieser Saison nach München. Heute und morgen, 20 Uhr, überrascht er im Herkulessaal das Publikum mit zwei Raritäten – den beiden Violinkonzerten des polnischen Komponisten Karol Szymanowski. „Ich lernte schon als 11-Jähriger bei meinem Professor Szymanowskis Stücke für Violine und Klavier kennen und liebe sie seither.“

Die beiden Konzerte spielte Zimmermann vor einigen Jahren in Warschau und nahm sie auch für CD auf. „Ich finde die Kombination sehr abwechslungsreich: Das erste Konzert stammt aus der mittleren Schaffensperiode, ist unglaublich farbenreich und impressionistisch; im zweiten verarbeitet Szymanowski polnische Volksmelodien. Er hat wie Bartók, dessen Violinkonzert ich im vergangenen Oktober mit den BR-Symphonikern spielte, die Volksmusik erforscht und gesammelt. Nur auf der anderen Seite der Hohen Tatra.“ Zimmermann schlug diese sehr komplexe Musik vor, weil „sie so viel Substanz hat, wie Granit ist“ und weil er überzeugt ist: „Sie ist für ein Orchester von diesem Kaliber wie geschaffen.“

Auch den jungen, französischen Dirigenten, Stéphane Dénève, empfahl der 46-Jährige. „Ich lernte ihn noch als Studenten kennen. Nach einem Mozart-Konzert in Paris rief er als einziger ‚Bravo‘“, schmunzelt Zimmermann. Mittlerweile hat er mehrfach mit dem jungen Musiker – er wird Norringtons Nachfolger beim Radio-Sinfonieorchester Stuttgart – in Glasgow zusammengearbeitet und ist überzeugt: „Er hat diese französische Raffinesse.“ Die bekommt Karol Szymanowskis Konzerten und den dazugesellten Werken von Ravel („Ma mère l’oye“) und Roussell („Bacchus et Ariane“) sowieso. Auch für das dritte große „Residence“-Konzert hat der Geiger einen jungen Dirigenten vorgeschlagen: Yannick Nézet-Séguin. Mit ihm zusammen musiziert er Ende Juni Beethovens Violinkonzert. „Dieses Werk habe ich mehr als 200 Mal aufgeführt. Ich glaube, es ist ‚mein‘ Stück. Und ich spüre jedes Mal, wenn ich es spiele, noch diese erste Lust dabei.“

Abgerundet wird Zimmermanns Funktion als „Artist in residence“ mit einem Kammerkonzert. Zwei Violinkonzerte von Bach stehen auf dem Programm (3. April im Prinzregententheater). An Bach hat sich Frank-Peter Zimmermann langsam und spät, mit Ende 30, herangetastet. „Ich hatte viele Skrupel. Man muss in Bachs Werk hineinwachsen, aber dann gibt er einem eine unglaubliche Kraft, einen Sinn im Leben.“ Mozart eroberte sich der Geiger mit jugendlichem Ungestüm und Beethoven, so versichert er, „fährt mir mit seinen abrupten Gesten in den Körper“. Bei einer intensiven Beethoven-Phase mit Proben und Konzerten kommt es schon mal vor, dass Zimmermann nachts im Traum um sich schlägt.

Gerne hätte Frank-Peter Zimmermann auch eine Uraufführung in München präsentiert oder sich mit seinem Trio als Kammermusiker vorgestellt. Aber die Programme des ambitionierten Künstlers sind für München offenbar zu modern. „Es ist ein Trauerspiel“, resümiert er, „wir haben mit dem Trio unser Mozart-Schönberg-Programm in Paris, Mailand, Brüssel und Wien mit großem Erfolg musiziert. Aber bei Schönberg winkt man in München schon ab…“ Ans Dirigentenpult treibt es den renommierten Geiger übrigens nicht. „Wenn ich mein Niveau als Instrumentalist halten will, dann muss ich viel Zeit mit meiner Geige verbringen. Außerdem glaube ich, dass man das Dirigieren von Jugend an erlernen muss. Denken Sie an alte Meister wie Wolfgang Sawallisch. Er machte eine Bewegung und alles stimmte… Außerdem finde ich solche Ambitionen unfair gegenüber jungen Dirigenten.“

Seine Violine, eine Stradivari, die einst der legendäre Fritz Kreisler spielte, ist Zimmermann mittlerweile ans Herz gewachsen. „Du liebst sie mehr als mich“, argwöhnte Zimmermanns Frau. Doch der Geiger lacht und verweist auf 25 glückliche Ehejahre. Dass er sich viel – auch im Urlaub – mit seiner Stradivari beschäftigt, leugnet er nicht. „Ich spiele sie jetzt seit zehn Jahren. Es ist nicht leicht, mit einem solchen Top-Instrument zusammenzuwachsen. Vier, fünf Jahre hat es gedauert, bis sie ein Teil meines Körpers geworden ist. Sie hat mich verfeinert“, strahlt der Geiger. Und er schwärmt von ihrer Stradivari-Eleganz, die gepaart ist mit einer vollmundigen Guaneri-Tiefe. Eine Spezialität der Baujahre 1710 bis 1715. Dass er mit ihrem Klang den Herkulessaal und das Prinzregententheater erfüllen darf, freut Zimmermann sehr. Denn in der Philharmonie am Münchner Gasteig fühlt sich der Geiger nicht recht wohl.

Gabriele Luster

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