Eigenartige Typen gesucht

München - Der Musical-Studiengang an der Bayerischen Theaterakademie feiert zehnten Geburtstag. Zu diesem Anlass wird am 17. Juni "On the Town" wiederaufgenommen.

"Wir müssen für die Zukunft ausbilden", sagt Klaus Zehelein, Präsident der Bayerischen Theaterakademie mit Nachdruck. Das wusste schon der Akademiegründer: August Everding rief 1996 die Musicalklasse ins Leben. "Ich denke, er wollte einfach aktuell bleiben in der Kulturszene", erinnert sich die Leiterin des Studiengangs Vicki Hall. Seitdem hat sich in der jungen Sparte einiges verändert.

Zunächst einmal würden sich die Musicalschüler nicht mehr für ihr Studium schämen, sagt Regisseur Gil Mehmert, selbst Akademieabsolvent. Im Gegenteil: Für ihr vielseitiges Repertoire bewiesen sie virtuose Energie bis "Bühnen-Masochismus" und seien deshalb auf dem freien Markt gefragt. "Es geht hier nicht darum, Theatermonster zu kreieren - die Seele ist der Darsteller", betont Mehmert.

Seine fetzige Inszenierung von Leonard Bernsteins "On the Town" mit Absolventen wie Studierenden der Akademie wird am 17., 19. und 20 Juni zur Feier des Jubiläums erneut im Prinzregententheater zu sehen sein. Sie beschreibt 24 Stunden im Leben dreier Matrosen, die sich im New York von 1944 auf eine ausgelassene Entdeckungstour begeben, ehe sie auf ihrem Kriegsschiff in eine ungewisse Zukunft segeln müssen.

Doch zurück zur ungewissen Zukunft der Absolventen: Es sei ihm wichtig, dass die Akademie nicht fürs Stadttheater oder für die großen Musicalproduktionen ausbilde, sondern für den individuellen Weg von Persönlichkeiten jenseits des Anonymen, unterstreicht Zehelein. Dies beginnt bereits bei der Auswahl der jährlich acht bis zwölf Studierenden, in diesem Jahr wurden sechs Männer und sechs Frauen aufgenommen.

Vicki Hall sieht den Studiengang als "Basisausbildung" für die riesige Spannbreite von Theater und Musiktheater. Deshalb sucht sie nach Charakterdarstellern, nach "auffallend eigenartigen Typen". Deren Wahl bestimmt die Produktionen, manchmal entstehen auch Auftragsarbeiten, um die unterschiedlichen Begabungen wirkungsvoll zu präsentieren. Die Absolventen des nächsten Jahres etwa erwartet eine Collage aus Nummern des Amerikaners Jason Robert Brown. "Eine tolle Präsentation, die Einblicke in das Genie des Komponisten und in die Leistung der Studenten bringen wird", sagt Hall.

Am 17. Juni erscheint zudem die Festschrift "10 Jahre Studiengang Musical". Sie soll die Vergangenheit des Studiengangs anhand von Interviews mit Absolventen und Regisseuren, Produktions-Reportagen sowie Lebensläufen von Absolventen dokumentieren und damit auch als Orientierung für den künftigen Musical-Nachwuchs an der Theaterakademie dienen.

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