An der eigenen Freiheit gescheitert

Andreas Wiedermann zur Serenade Andromeda liberata  Szenische Uraufführung in der Reithalle.

Andreas Wiedermann (30) inszeniert mit seiner "Opera Incognita" ein erst 2002 entdecktes Werk: die Serenade "Andromeda liberata" (Perseus befreit die an einen Felsen angekettete Andromeda von einem Ungeheuer). Die Urheberschaft der Serenade ist ungeklärt. Sie wurde nur einmal konzertant gespielt. Wiedermann bringt das Werk diesen Samstag in der Münchener Reithalle als szenische Uraufführung auf die Bühne.

Sie wollen Opern unbekannter Komponisten aufführen. Warum haben Sie sich nun für eine Serenade, zudem ausgerechnet für die "Andromeda liberata" entschieden?

Mich hat die Form interessiert. Zuletzt habe ich ja große Tragödien gespielt. Jetzt wollte ich mal die kleine Form bringen, ein leichtes Werk. "Andromeda liberata" muss man einfach entdecken. Sie ist eine Art Minioper in zwei Teilen, von fünf Komponisten geschrieben.

Es gibt eine zweite Version; nämlich die, dass nicht nur die Arie "Sovvente il sole", sondern das ganze Stück von Vivaldi stammt.

Richtig. Aber es ist fast verbürgt, dass es ein Pasticcio mehrerer Komponisten ist.

Warum so sicher?

Ich denke, jede der fünf Figuren wurde von einem anderen Komponisten kreiert, weil jede eine ganz eigene musikalische Farbe hat.

Warum spielen die Musiker auf historischen Instrumenten?

Sie spielen Barockgeige, Barockoboe, Gambe, Cembalo, Theorbe, Laute und teilweise Horn. Mich hat das einfach interessiert. Der Klang ist speziell, nicht so glatt. Außerdem hat der musikalische Leiter Ernst Bartmann die Musik auf das Wesentliche beschränkt. Sie wird transparenter.

Worauf haben Sie bei der Inszenierung besonderen Wert gelegt?

Das Besondere sind die Charaktere. Sie sind im Libretto nur vage angedeutet. Ich arbeite sie stärker heraus. So entsteht ein Kontrast zwischen der sinnlichen Musik und der Härte der Figuren.

Das Stück lebt von verschiedenen Spielarten der Liebe. Warum Härte?

Es geht ja um den Tod von Menschen, den inneren Konflikt und die Befreiung der Andromeda. Die Charaktere laufen der eigenen Freiheit hinterher und zerbrechen daran. Perseus will keine anderen Menschen sehen und scheitert damit wie Andromeda, die am Schluss sagt, dass sie freier gewesen ist, als sie angekettet war; eine Tragödie falsch verstandenen Individualismus'.

Das Stück bezieht sich auf die Sagenwelt der Antike. Wo spielt die Serenade?

Im fiktiven mythologischen Äthiopien. Man sieht eine tote Landschaft; als Gegensatz zur sinnlichen Musik. Das wirft den Zuhörer auf die Innerlichkeit der Figuren zurück.

Sie sind Anfang des Jahres für Andrea Breth, die im Residenztheater "Molires Misanthrop" machen sollte, eingesprungen und haben dann bei den Schauspielern keine Akzeptanz gefunden.

Das war alles Knall auf Fall. Drei Wochen Vorbereitungszeit sind zu wenig. Man macht das Stück nicht einfach so. Zudem stand es nicht auf meinem Speiseplan. Punkt. Aus.

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