Den eigenen Marktwert testen

- Richtig international geht es auch in diesem Jahr wieder beim ARD-Wettbewerb her, für den sich derzeit Musiker aus über 40 Nationen in München versammelt haben. 192 junge Talente, die sich in vier Disziplinen aneinander messen und um den Sieg bei diesem prestigeträchtigen Ereignis wetteifern. Mit dem Bass Christof Hartkopf, der seit 2004 im Chor des Bayerischen Rundfunks engagiert ist, hat es dabei auch ein Lokalmatador durch die strenge Vorauswahl geschafft.

Sesshaft geworden ist der gebürtige Regensburger an der Isar vor drei Jahren, nachdem er hier bei einem Gastspiel mit dem RIAS-Kammerchor seine heutige Ehefrau kennengelernt hatte.

Dass kurz darauf eine Stelle im BR-Chor frei wurde, war ein willkommener Zufall, der sich inzwischen in mehrfacher Hinsicht bezahlt gemacht hat. Gab es für ihn hier doch immer wieder auch Gelegenheit, sich in Konzerten mit kleineren Solo-Partien zu beweisen. Die Entscheidung, es neben dem sicheren Job im Chor nun auch einmal auf sich allein gestellt zu versuchen, war dennoch ein bedeutender Schritt. "Es ist toll, einfach mal von sich reden zu machen. Die Kollegen haben mich da alle sehr ermutigt und sich gefreut, dass ich für den Chor Flagge zeige. Es sind auch jetzt immer wieder welche von ihnen da und hören sich an, was ich hier so mache."

Und auch wenn er beim Wettbewerb ohne Rückendeckung durch die Kollegen auf dem Podium steht und allein den kritischen Ohren der Jury ausgeliefert ist, kommt bei Christof Hartkopf kaum Lampenfieber auf. "Angst habe ich da weniger. Ich sehe das sogar eher als Vorteil. Es ist einfach ein unheimlich aufregendes Gefühl, da oben zu singen. Und das Publikum hier beim Wettbewerb trägt einen richtig. Die Leute erwarten sich natürlich mit Recht auch große Leistungen, sie will man halt auf keinen Fall enttäuschen."

Dass in diesem Jahr Preise für Opern- und Liedgesang getrennt vergeben werden, kommt dem Bass, der in Berlin unter anderem bei Dietrich Fischer-Dieskau studiert hat, durchaus entgegen. "Ich habe schon immer sehr viel Liedrepertoire gesungen. Wenn ich Oper mache, dann verschenke ich viel zu viele Möglichkeiten, weil ich dafür auch nicht diese riesige Röhre habe, die manche vielleicht erwarten würden. Ich lege viel mehr Wert auf die Feinheiten, die man im Lied herausarbeiten kann und die Emotionen, die sich dadurch vermitteln lassen."

Die Konkurrenz schläft natürlich auch in dieser Hinsicht nicht, doch letztlich zählt für den Sänger vor allem der olympische Gedanke. "Dabeisein ist alles. Dieses ganze Konkurrenzdenken muss man da am besten komplett los werden. Ich mache in erster Linie mit, um mir alle Türen offen zu halten und meinen Marktwert zu testen. Also einfach mal die eigenen Möglichkeiten abchecken und sehen, wie stehe ich da, zu wie viel würde es wirklich reichen."

Selbst wenn es jetzt nicht bis ins Finale geht, auch Jurymitglied Francisco Araiza hat dereinst beim Wettbewerb "nur" den dritten Platz belegt. Der Karriere geschadet hat es bei ihm trotzdem nicht.

Samstag: Operngesang 11/ 16 Uhr, Musikhochschule; Klavier 10.30/ 16 Uhr, Gasteig. Sonntag: Klavier 10.30 Uhr, Gasteig; Bläserquintett 15/ 17 Uhr, BR; Lied 11/ 16 Uhr, Hochschule.

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