Auf der eigenen Party

- Der Partymacher wandelt sich: Tom Jones verpflichtete für seine jüngste CD "Mr. Jones" Wyclef Jean als Produzenten. Dessen ins Schwermütige tendierende Handschrift schlängelt sich nun also durch die aktuellen Songs. Und als ob er seinen Fans damit nicht genug aufgebürdet hätte, ließ Tom Jones jüngst verkünden, der permanente Dessous-Flug in Richtung Bühne sei eigentlich nicht mehr seine Sache.

Offenbar ist er bei vielen nicht so gern gesehen, der neue Jones. Und so startet sein Konzert in einer halbvollen Münchner Olympiahalle. Er scheint sich allerdings nicht beirren zu lassen von den leeren Stuhlreihen, gönnt sich und seiner Band keine Aufwärm-Phase und widmet seine geballte Energie denen, die eben doch gekommen sind. Die R&B-Elemente werden sicher instrumentiert, Drums und Bläser konkurrieren um die rhythmische Dominanz. Background-Sängerinnen liefern schönen, fülligen Soul, und die Tontechnik leistet sich keine Patzer.<BR><BR>Tom Jones selbst nötigt seine immer noch kraftvolle und intonationssichere Stimme in der Höhe zum weitschwingenden Vibrato, in der Tiefe zum grunzenden Sexappeal - und zu voller Lautstärke in sämtlichen Lagen. Diese Verweigerung jeglicher Zurücknahme ist es dann auch, die gerade bei Blues-Stücken oder Balladen aus der "Sometimes We Cry"-Kategorie Längen aufkommen lässt: Wer sich permanent auf dem Höhepunkt befindet, kann kaum Spannung aufbauen.<BR><BR>Doch Jones besinnt sich immer wieder aufs Wesentliche, galoppiert durch Hits wie "Pussycat" , "If I Only Knew" oder "Laila" und zeigt bei "Burning Down The House", "Kiss" oder dem Newman-Klassiker "You Can Leave Your Hat On" einmal mehr seine Liebe zum Covern. Irgendwann gibt er endlich nach und wird wieder zum Tiger. Tom Jones stellt fest: "It was good in 65, it was good in 66" - warum sollte es heute nicht mehr funktionieren?<BR><BR>Er lüpft also das Jackett, lässt das Weiß seiner Augäpfel hervortreten, schnuppert doch noch genüsslich an einem ihm zugeworfenen String und zeigt spätestens bei "Sex Bomb" seinen legendären, lasziven Hüftschwung. Und schließlich ist Tom Jones wieder da, wo er doch gar nicht mehr hinwollte, wohl aber immer wieder landen wird: auf seiner eigenen Party.<BR><BR>

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