Was eigentlich hat Audi hier bezahlt ?

- "Audi AG finanziert Neuproduktion von Verdi-Oper." So heißt es in dem Papier, mit dem die Audi-Kommunikationsstelle für den Auto-Konzern wirbt. Und was doch so nicht ganz richtig ist. Denn bei Nachfrage ist zu erfahren, dass der Konzern mitnichten die ganze "La forza del destino"-Inszenierung monitär bestritten hat, sondern - ähnlich wie bereits bei Wagners "Ring" - mit einer Spende in nicht geringer Dimension die Eröffnungsproduktion der Münchner Opernfestspiele finanziell unterstützt hat.

Ja, was wohl ist nun in dieser Aufführung den Ingolstädtern konkret zu verdanken? Wie genau hat man sich diese Art von Sponsoring vorzustellen? Haben die Autobauer die Absperrungsgitter im dritten Akt bezahlt? Den Felsbrocken? Die Kohlehalden? Die Kostüme?Alles in den großen Topf

Oder zahlen sie die Gage des Tenors, der Sopranistin, die des Dirigenten? Roland Felber, geschäftsführender Direktor der Bayerischen Staatsoper, sagt, so dürfe man sich das nicht vorstellen: Alles Geld, das der Oper durch Sponsoren zufließe, komme in den großen Topf des Gesamtetats. "Wir hätten", sagt er, ",La forza del destino’ auch ohne Sponsorengelder rausgebracht. Aber da hätten wir jeden Euro zwei- oder dreimal umdrehen müssen".Natürlich profitieren nur die Materialkosten einer Aufführung vom Sponsorengeld. Denn Chor, Musiker, einzelne Sänger, Werkstätten - sie gehören zu den Fixkosten des Hauses; da werden Gehälter gezahlt. Zur freien, künstlerischen Verfügung bleiben vom Gesamthaushalt höchstens 20 Prozent. Die müssen für alle Produktionen eines Jahres reichen. Und in diesen Topf fließen die privaten Spenden.Aber untergehen in der Anonymität der Gesamtsumme ist für jeden Sponsor uninteressant. Felber: "Für Firmen ist es vielmehr sexy, eine Festspielpremiere namentlich zu unterstützen und damit immerhin zehn Jahre im Spielplan zu bleiben." Dazu bedarf es allerdings eines "maßgeblichen Betrags". Und "maßgeblich" beginnt bei einer sechsstelligen Zahl. Die Fixausgaben einer Inszenierung - also die Materialkosten, die Ausstattung, die Probengagen (Abendgagen sind bei den Produktionskosten nicht enthalten) - betragen durchschnittlich eine halbe Million Euro; allein die fürs Bühnenbild etwa 150 000 bis 200 000 Euro. Also wo Audi draufsteht, ist auch Audi drin? Im Falle von "La forza" ließe sich nur symbolisch sagen: Die Szene ist den Herren nördlich der Donau zu verdanken.Verschiedene Großsponsoren - verschiedene Ansprüche. Etwa den, ganz gezielt Geld zu geben für ein bestimmtes Vorhaben. Wenn es heuer etwa wieder "Oper für alle" gibt, wissen wir: Die Orchestermuschel wird von BMW finanziert.

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