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Der eingebildete Kranke und zugleich Regisseur des Stücks, Nikolaus Paryla (re.); hier mit Erwin Nowak.

„Er ist eigentlich ein ganz netter Kerl“

München - Komödie im Bayerischen Hof: Nikolaus Paryla spricht im Interview über den eingebildeten Kranken Argan, Molière und seinen Regie-Stil.

Mit seiner Solopartie in Patrick Süskinds „Kontrabass“ feiert Nikolaus Paryla seit 30 Jahren Erfolge. Jetzt steht der österreichische Schauspieler, der lange am Residenztheater wirkte, in einer anderen Rolle wieder einmal auf einer Münchner Bühne: In der Komödie im Bayerischen Hof inszeniert er Molières „Eingebildeten Kranken“ und spielt darin die Titelrolle (Premiere am 18. Januar).

Herr Paryla, neigen Sie selbst auch zur Hypochondrie?

Ein klein bisschen schon, ja, wie wahrscheinlich alle Menschen, die es wagen, sich sensibel nennen zu dürfen, um es mal vorsichtig zu formulieren. Aber meine persönliche Hypochondrie ist weit davon entfernt, so pathologisch zu sein wie bei Argan, dem eingebildeten Kranken im Stück.

Wie sehen Sie diesen Argan?

Molière macht sich über ihn lustig, ohne ihn deshalb abzulehnen oder zu desavouieren. Man hat den Argan trotzdem gern und kann ihm nicht böse sein. Innen drin, hinter all den äußeren Schichten des Haustyrannen, ist er als menschliches Wesen erkennbar. Seine Hypochondrie ist wahrscheinlich ein Schutzschild gegen eine verborgene Depression. Er ist eigentlich ein ganz netter Kerl, der aber seine Trauer versteckt hinter einer aggressiven Maske von Krankheiten, die er gar nicht hat. Dass er das am Ende selbst erkennt, stellen wir in unserer Inszenierung besonders heraus. Denn darin liegt ja auch die „Aktualität“ des Stücks: Es zeigt auf komische Weise menschliche Schwächen und Verhaltensweisen, die uns gerade heute nur zu bekannt vorkommen.

Ist es diese Vielschichtigkeit der Figuren, die Sie an Molière fasziniert?

Ja, aber es kommt noch etwas Wichtiges hinzu: Man hat diesen großen Komödien-Autoren wie Molière oder Goldoni früher oft vorgeworfen, sie seien ja gar keine „Dichter“, sondern ließen die Leute reden wie auf der Straße oder im Salon. Darum kommen bei beiden immer Figuren vor, die sich besonders geschraubt und schnörkelhaft, also vermeintlich „dichterisch“ ausdrücken, und über die machen sich die Autoren dann lustig. Dagegen kommt die Rettung immer von einfachen Frauen aus dem Volk – beim „Eingebildeten Kranken“ von dem Dienstmädchen Toinette. Diese Unmittelbarkeit, diese Nähe zur Wirklichkeit und zum Volk macht mir am meisten Freude bei Molière.

Die Toinette wird gespielt von Ihrer Gattin Undine Brixner. Ist es schwieriger oder leichter, mit der eigenen Frau auf der Bühne zu arbeiten?

Leichter. Zumindest für mich. Andere mögen das anders empfinden, aber bei uns stellt sich oft ein intuitives Verständnis ein, man weiß sofort, was der andere meint.

Was ist Ihnen als Regisseur besonders wichtig?

Na ja, ich bin ja eigentlich ein Schauspieler, aber wenn ich Regie führe, finde ich es – vielleicht gerade deshalb – wesentlich, dass man jedem Schauspieler die Möglichkeit gibt, sich zu einer optimalen Wirkung zu führen. Dass er nicht gezwungen wird, etwas zu machen, was ihm überhaupt nicht liegt. Natürlich muss man als Regisseur einen roten Faden zum Ziel führen und auf Präzision achten, aber nicht den anderen vergewaltigen.

Die Gretchenfrage: Wie halten Sie’s mit der „Werktreue“?

Werktreue ist ein sehr gefährliches Wort. Man kann nicht nur vom Blatt spielen und einfach eine alte Komödie runterklopfen, sondern man muss schon das, was auch heute passiert, in einem Stück finden. Trotzdem ist es mir lieber, wenn das Stück, etwa was die Ausstattung angeht, in seiner Zeit belassen wird; und wenn man dann mit diesen alten Mitteln die Dinge trifft, die uns heute etwas angehen, dann ist das eine gute Sache. Man kann schon den Figaro in Jeans auftreten lassen, das kann lustig sein, aber es interessiert mich nicht so sehr.

Das Gespräch führte Alexander Altmann.

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