+
Spricht von einer Sänger-„Sensation“: Barrie Kosky (re.), Intendant der Komischen Oper Berlin und „Meistersinger“-Regisseur; neben ihm das ständige Bayreuth-Team (v.li.) Katharina Wagner, Holger von Berg und Marie Luise Maintz.

Pressekonferenz zum Auftakt der Bayreuther Festspiele

„Ein bisschen Lubitsch, ein bisschen Überraschung“

  • schließen

Heute starten die Bayreuther Festspiele mit der „Meistersinger“-Premiere. Bei der Pressekonferenz spricht Barrie Kosky über seine Inszenierung, derweil Festspielchefin Katharina Wagner bereits auf 2018 blickt.

Bayreuth – Wenigstens diese Sache wäre schon einmal geklärt. „Sie kriegen keine Hakenkreuze und keine toten Juden zu sehen.“ Weil Barrie Kosky, das hat der Regisseur gestern auf der Bayreuther Pressekonferenz nochmals betont, eben keine hyperpolitische Inszenierung im Sinn hat. Mit seiner Version von Richard Wagners „Meistersingern von Nürnberg“ werden heute die Festspiele eröffnet. „Ein bisschen Lubitsch, ein bisschen Überraschung“ kündigte der Chef der Komischen Oper Berlin an, etwas „Wagner-Comedy“ und „tiefe Problematik“. Und im Falle von Michael Volle als Sachs und Johannes Martin Kränzle als Beckmesser sprach Kosky gar von einer „Sensation“.

Kein Skandal auf dem Grünen Hügel?

Überhaupt scheint der Skandal am Grünen Hügel heuer tatsächlich auszubleiben. Mit ein paar Fakten konnte Festspielleiterin Katharina Wagner aufwarten. Yuval Sharon als Regisseur und Neo Rauch als Ausstatter des neuen „Lohengrin“ im kommenden Jahr, das war bislang bekannt. Nicht aber die komplette Besetzung: Anja Harteros (statt Anna Netrebko als Elsa), Roberto Alagna (Titelrolle), Waltraud Meier (Ortrud), Georg Zeppenfeld (König Heinrich) und Tomasz Konieczny (Telramund).

Weitaus bizarrer ist, dass drei Extra-„Walküren“ ins Programm genommen werden, die Plácido Domingo dirigiert. Matthias Goerne singt den Wotan in der eigentlich abgespielten Inszenierung von Frank Castorf. Semyon Bychkov steht beim „Parsifal“ nächsten Sommer im Graben. Mehr über die Besetzungen der nächsten Spielzeit mochte sich Wagner nicht entlocken lassen. Umso schöner und begehrter sind daher die Gerüchte. Man spricht von Daniele Gatti als Dirigenten des neuen „Ring des Nibelungen“ anno 2020, den vier Regisseurinnen (!) in die Hand nehmen wollen.

Neu im Programm: „Diskurs Bayreuth“

Neu ist heuer die Programmschiene „Diskurs Bayreuth“. Schon seit Längerem wollen sich die Festspiele mit ihrer dunklen bis braunen Vergangenheit auseinandersetzen. „Das hässliche Gesicht der Schuld“ habe Wagners Werk in der Nachkriegszeit geprägt. Dazu gibt es am 28. und 29. Juli ein Symposion, bei dem unter anderem bislang unbekannte Filmaufnahmen aus dem Familienarchiv zu sehen sind – sie zeigen den glühenden Wagnerianer Adolf Hitler beim Besuch am heiligen Opernort. Gespielt wird Musik von Opfern des Nationalsozialismus. Und 2018 wird sogar das wiedereröffnete Markgräfliche Opernhaus als Spielstätte ins Programm genommen mit einer zusätzlichen Musiktheaterproduktion.

Barrie Kosky bekannte, dass er zunächst Angst gehabt habe vor der Bayreuther Aufgabe. „Die Geister von Richard und Cosima“ wähnte er durchs Haus spuken, als er früher einmal am Hügel war. Das sei ihm heuer nicht passiert, offenbar habe es eine Art Exorzismus gegeben. Was seine „Meistersinger“ auf keinen Fall seien: „Ich möchte nicht mit einem deutschen Stück den deutschen Zuschauern sagen, was mit der deutschen Kultur falsch gelaufen ist.“

Kommt Kosky an die Staatsoper?

Barrie Kosky selbst betrifft übrigens das interessanteste Gerücht. Trotz seiner gegenteiligen Beteuerungen gilt er als der heißeste Kandidat für den Intendantenposten an der Bayerischen Staatsoper und damit als Nachfolger von Nikolaus Bachler. Zusammen mit dem „Meistersinger“-Dirigenten Philippe Jordan wäre diese Bayreuther Premiere demnach ein Probelauf für eine mögliche Münchner Ära.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Der Mut-Lacher
Mit „Monsieur Claude und seine Töchter“ gelang Philippe de Chauveron ein Riesenerfolg. Nun setzt de Chauveron einen drauf: In „Hereinspaziert!“ übernimmt Christian …
Der Mut-Lacher
Nachtkritik: Sting macht in der Olympiahalle sein Ding
Sting hat in seinem Musikerleben Songs geschrieben, die heute noch so gut funktionieren wie 1983 oder 1995. Davon macht er in der Olympiahalle Gebrauch - und seine Fans …
Nachtkritik: Sting macht in der Olympiahalle sein Ding
Im Lenbachhaus geht der Punk ab
Das Münchner Lenbachhaus zeigt in der Ausstellung „Normalzustand“ deutsche Undergroundfilme, die zwischen 1979 und den frühen Neunzigerjahren entstanden sind. 
Im Lenbachhaus geht der Punk ab
Zurück in die Zukunft
Berlin. Harrison Ford und Ryan Gosling stellen in Berlin Szenen ihres neuen Kinofilms „Blade Runner 2049“ vor.
Zurück in die Zukunft

Kommentare