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Alte Kulisse, neue Probleme: Kai (Moritz Bleibtreu) und Stefan (Lucas Gregorowic).

Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz

Interview zum „Lommbock“-Start: „Uns ist die Fallhöhe bewusst“

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„Lammbock“, das ist für viele eine Reise zurück in die Jugend. Der Kifferfilm von Christian Zübert hat Kultstatus. Nun kommt die Fortsetzung in die Kinos – und interviewt man die beiden Hauptdarsteller Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz, kommt man sich selbst vor wie in einer Filmszene. Packung Zigaretten auf dem Tisch, das Zimmer verqualmt und zwei sympathisch lockere Typen, die herumblödeln als wären sie noch einmal 19.

„Lammbock“ ist Kult. Hatten Sie nicht Bammel, dass die Fortsetzung nur scheitern kann?

Lucas Gregorowicz: Oh ja! Weil uns der erste Teil so am Herzen lag und weil wir wussten, dass es sehr, sehr viele Menschen gibt, die man potenziell enttäuschen könnte. Diese Sorge, dass das Drehbuch schlecht sein könnte, hat sich aber relativ schnell erübrigt. Wir haben das beide unabhängig voneinander gelesen, haben uns angerufen und gesagt: Es ist jetzt tatsächlich der richtige Zeitpunkt gekommen, zu erzählen, wie es bei Kai und Stefan weiterging.

Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt?

Moritz Bleibtreu: Weil 15 Jahre vergangen sind. 15 Jahre, das ist ein Zeitraum, in dem existenzielle Lebensentscheidungen getroffen wurden, oder hätten getroffen werden sollen, man sie aber stattdessen lieber vor sich hergeschoben hat. Genug Potenzial für neue Geschichten, die man sich nicht aus den Fingern saugen muss. Dass es also nicht heißt: Ach, guck mal, jetzt rauchen die schon wieder ’n Joint!

Haben Sie sich in den vergangenen Jahren mal gefragt, was aus den Figuren hätte werden können?

Bleibtreu: Ja, schon. Ich hab da eh nie wirklich abgeschlossen. Immer wenn ich Christian (Regisseur Christian Zübert, Anm. d. Red.) getroffen habe, hab’ ich ihn gepusht und gesagt: Lass uns das machen, lass uns das machen, lass uns das machen! Das lag natürlich einzig und allein in Christians Hand. Der hat sich die Geschichte ausgedacht, das ist sein Baby. Es hat lange gedauert, bis er so weit war, dass er sich das vorstellen konnte, es fortzuführen. Dann haben wir uns getroffen, haben den ersten Teil nochmal geguckt. Haben Ideen rumgeschmissen...

Klingt wie ein normaler Nachmittag von Kai und Stefan. Leicht verqualmt?

Bleibtreu: Das könnte sein, ich erinnere mich nicht mehr so genau. (Grinst.) Naja, und dann hieß es von Christian: Er hat eine Fassung. Schweißhände. Denn uns ist die Fallhöhe schon bewusst. Das hätte auch ganz arg schief gehen können – und was sagt man dann zum Regisseur? Vor allem, wenn man das zehn Jahre lang gepusht hat! (Lacht.)

Im neuen Film will Stefan seinen Stiefsohn vom Dealen abhalten. Sein Argument: Früher war das noch nicht so wild, aber heute… Ist der Blick nicht zu nostalgisch?

Gregorowicz: Ich finde es nicht nostalgisch, denn damals war die Welt wirklich anders! Sie hat sich einfach krass verändert in 15 Jahren.

War‘s besser damals?

Bleibtreu: Nee, ich find dieses „Früher war alles besser“ schwierig. Das ist einzig und allein unserem Verdrängungsmechanismus geschuldet. Wir verdrängen das Schlechte und behalten das Gute. Deshalb wird die Vergangenheit immer irgendeine Form von Nostalgie mit sich bringen. Grundsätzlich ist das aber einer der größten Irrglauben überhaupt. Das Leben war doch noch nie so unbeschwert wie heute. Ich spreche jetzt ganz bewusst nur über uns in Deutschland. Ich wüsste nicht, was vor 600 Jahren besser war!

Und vor 15 Jahren? War es nicht entspannter ohne die Dauererreichbarkeit?

Bleibtreu: Aber diese ständige Erreichbarkeit ist doch ein Stress, den sich Menschen selber machen! Alle jammern darüber, was das für eine Macht über sie hat. Da sage ich immer: Ja, Leute, dann schmeißt das doch weg! Wenn dich das individuell so belastet, dass du deinem eigenen Tempo nicht mehr hinterherkommst, dann zieh den Stecker raus und gut!

Kai und Stefan brauchen kein Handy, um ihre Verbindung zu halten. Wäre eine Freundschaft wie die ihre so auch zwischen Frauen möglich?

Bleibtreu: Das ist lustig, dass das immer Frauen fragen!

Vielleicht, weil Männern es gar nicht auffällt, weil sie solche unverrückbaren Freundschaften normal finden…

Bleibtreu: Es scheint so zu sein. Ich kann das nicht begründen, aber es ist schon so, dass ich sehr wenige Frauen kenne, die eine wirklich ausgeprägte, tiefsitzende, langjährige Freundschaft haben. Solche Männerfreundschaften kenne ich aber viele.

Trafen sich in München: Moritz Bleibtreu, Merkur-Redakteurin Katja Kraft und Lucas Gregorowicz.

Trotzdem verheimlichen Kai und Stefan einander Sorgen, die sie haben.

Bleibtreu: Genau das ist einer der Gründe, weswegen Männer so gut miteinander klarkommen. Weil sie verstanden haben, dass es bestimmte Dinge gibt, die man nicht miteinander besprechen muss. Das ist einer der Grundsätze der Freundschaft von Männern. Dass man sich irgendwann so gut kennt, dass man genau weiß, was der andere zu einem bestimmten Thema meint, oder wie jemand etwas macht. Und dass man sich deswegen nicht berufen fühlt, das zu kritisieren. Auf diese Weise räumt man schon mal 70, 80, 90 Prozent möglicher Konflikte aus dem Weg.

Würde in 15 Jahren Teil 3 erscheinen: Wie sähe es bei den beiden aus?

Gregorowicz: Ich glaube, man würde das Understatement extrem weit treiben – wir machen dann so etwas wie „Kai und Stefan beim Angeln“. Da darf man keine verrückten Geschichten mehr erwarten.

Bleibtreu: Finde ich geil! Kai und Stefan beim Angeln!

Lukas: Und zwar nur. Mit nur einer Kameraeinstellung.

Bleibtreu: „Victoria“-mäßig! Eine Einstellung! Aber stehende Kamera, die bewegt sich noch nicht mal.

Gregorowicz: Anders gesagt: Wir werden mit „Lammbock 3“ das Kino neu erfinden.

Bleibtreu: So sieht‘s aus. Hochformat das Ganze!

Und dann angeln Sie sich eine Meerjungfrau…

Bleibtreu: Das ist eine sehr gute Idee. Die fangen eine Meerjungfrau.

Gregorowicz: Hochformat, eine Einstellung und am Ende fangen sie ’ne Meerjungfrau!

Bleibtreu: Top! Gekauft!

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