"Ein Komponist muss Energie in sich haben"

- "Eine Grenze ist etwas, das man selbst überschreiten muss, damit man weiß, wo sie liegt." Ein Credo, dem Wolfgang Rihm stets gefolgt ist. Denn Komponieren, das kann man nicht lernen oder in Worte fassen. Es muss aus einem selbst kommen. Und so sieht Rihm sich auch nicht als Lehrer im klassischen Sinn, sondern als jemand, der Schülern den Weg zeigt und sie dabei selbst ihre Grenzen finden lässt. Einer dieser Schüler, der seinen Weg erfolgreich gegangen ist, ist der Ungar Má´rton Illé´s, der nun in München mit dem Preis der Kaske-Stiftung ausgezeichnet wurde.

Geboren 1975 in Budapest, schlug Illé´s in seiner Heimat schon früh eine musikalische Laufbahn ein. Später setzte er sein Klavierstudium in Basel fort, ehe er bei Detlev Müller-Siemens und Wolfgang Rihm Komposition studierte. Neben zahlreichen Erfolgen, die er als Pianist bei internationalen Wettbewerben feiern konnte, rückte auch der Komponist Má´rton Illé´s zunehmend ins Interesse der Öffentlichkeit. So erhielt er bereits mit 16 Jahren den Kompositionspreis des ungarischen Fernsehens, dem bald erste Kompositionsaufträge folgen sollten, die ihn inzwischen zu renommierten Festivals wie dem Heidelberger Frühling oder den Tiroler Klangspuren führten.

Was die Musik von Illé´s dabei vor allem auszeichnet, ist der große Variantenreichtum seiner Werke. So werden von ihm zwar immer wieder vertraute Muster und Klangfarben aufgegriffen, diese jedoch stets zu neuen, individuellen Bildern zusammenfügt. "Ein Komponist muss Energie in sich haben, die er in seine Musik legt. Und dann muss sich diese Energie auf das Publikum übertragen." Dass Illé´s es wirklich versteht, dieses Versprechen einzulösen, konnte er im Rahmen der Preisverleihung unter Beweis stellen - als Interpret seiner "Scene Polidimensionali".

Viele ehemalige Preisträger der Kaske-Stiftung sind heute selbst schon ein Stück Musikgeschichte, seien es Pierre Boulez, Peter Eötvös oder Kaija Saariaho. Ob es Má´rton Illé´s gelingt, ein neues Kapitel aufzuschlagen, wird sich zeigen. Bis dahin bleibt für ihn "jedes Stück eine Station auf dem Weg zu immer neuen Entdeckungen".

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