Einblick in die Abgründe

- Die einen verwiesen auf ihr Engagement bei der NSDAP, die anderen versuchten es mit Helden unterm Hakenkreuz-Himmel: Wer im "Haus der Deutschen Kunst" in München zwischen 1933 und '44 dabei sein wollte, der musste sich mit Hitlers Ideen arrangieren. Nicht alle warben mit dem Parteibuch. Dennoch ist es spannend, Namen, Käufe und Aufträge kennen zu lernen. Ein Jahr lang hat die Historikerin Sabine Brantl das Archiv des Hauses der Kunst geordnet, jetzt bietet sie Führungen durch die Kellerräume an.

Es werden aber weder die 7000 Quadratmeter akribisch erforscht, noch langweilen verstaubte Aktenordner. Vielmehr geben ausgesuchte Dokumente Aufschluss darüber, wie Hitler zu Anfang noch erfolgreich das Bild einer friedlichen und Kultur liebenden Nation vermittelte.

Vier Kisten mit Bewerbungsschreiben Münchner Firmen bezeugen, dass man bei der Grundsteinlegung 1933 um Aufträge bemüht war. Zu 70 Prozent führten die Firmen parteipolitische Argumente ins Feld. "Insgesamt liest es sich wie ein ,Who is Who’ der Wirtschaft", so Brantl. Eine ähnliche Namensliste ist in Sachen Spenden vorhanden: Damals ganz neu, versuchte man, die neun Millionen Reichsmark von der Wirtschaft zu bekommen. Auch in puncto Marketing war das "Haus der Deutschen Kunst" Vorreiter. Die Faltblätter warben mit Fotos nicht nur für die Ausstellungen, sondern auch für Restaurant, Bar und Bierstüberl. Bilder der "Großen deutschen Kunstausstellungen" sind nurmehr wenige vorhanden. An Rudolf Eisenwengers "Sinkende Nacht" hängt noch das Einlieferungsetikett. Eine Reichsmark plus die Abholung kostete eine Bewerbung. Dass solche Bilder nicht genommen wurden, lag an den "expressiven Farben", erklärt Brantl. Hilter selbst inspizierte immer kurz vor den Präsentationen die Werke und sortierte aus, was "archaisch" oder "modern" war.

7000 Karteikarten listen die beteiligten Künstler auf, von Arno Breker bis Adolf Ziegler. Aber auch Olaf Gulbransson oder Eduard Thöny sind mit stattlichen Verkäufen dabei. Im Depotbuch für Bilder von 1941 bis '44 sind dann die Kunden vermerkt. "Hitler versuchte hier, seine Rolle als Kunstmäzen zu kräftigen." Jährlich hat er bis zu dreihundert Bilder gekauft, 393 Exemplare stiftete er dem Jagdmuseum, weitere gingen in die Wohnung, die Reichskanzlei oder den "Führerbau". 827 Stück zu über vier Millionen Reichsmark sind unter seinem Namen vermerkt. Allein 1941 weisen die Kontenblätter eine Summe von weit über einer Million Reichsmark aus.

Um die Bilder der letzten Schau 1944 kümmerte sich später eine eigene Abwicklungsstelle. Als einer der Ersten Arno Breker nach seinem Eigentum. 1945 hatten ja die Amerikaner das Haus besetzt. Speisekarten, Reklame und Pläne zeigen, wo das Offizierscasino, der Friseur, die Post, die Kegelbahn und der Tennisplatz untergebracht waren. 1955 wurde das Haus zurückgegeben. Plakate zum Künstlerfasching bringen nicht nur Farbe und Zeitgeist der nachfolgenden Jahre ins Archiv, sondern auch einen versöhnlichen Touch.

(Führungen: 089/ 27 37 27 99.)

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