Segelflugzeug prallt gegen Felswand - Rettungseinsatz läuft 

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Eine akustische Kur

- "Wie bei einer Guarneri", wird im Orchester gleich mehrfach geschwärmt. Da kann also der Musiker noch so viel technisches Können und guten Willen aufwenden: Erst solche Instrumente verleihen doch dem Ton edle Finesse, erst Säle wie der Wiener Musikverein oder die Berliner Philharmonie, die Guarneris unter den Konzerthallen also, verhelfen einem Orchester zu schönster Klangblüte. "Und schwierige Stellen", wie Violinist Florian Sonnleitner bemerkt, "die spielen sich fast von selbst".

<P>Denn verwöhnt ist das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks mit Gasteig und Herkulessaal nicht gerade. Die Tournee mit Chef Mariss Jansons nach Wien und Berlin war daher eine Art akustische Kur - und gleichzeitig Trip in die Höhlen zweier Szene-Löwen: Nummer eins im Musikverein sind die Wiener Philharmoniker, Hausherren im Berliner Scharoun-Bau die dortigen Philharmoniker, zwei Ensembles, die in der Spitzengruppe der Musikwelt mitmischen. Zu der haben die Bayern zwar längst aufgeschlossen, bei internationalen Veranstaltern hat sich das freilich noch nicht ganz festgesetzt.</P><P>In den goldenen Saal geschmiegt</P><P>Wie man dem begegnet? Am besten mit einer solchen Form, wie sie die BR-Symphoniker auf der Reise zeigten. Die Flitterwochen-Stimmung zwischen Jansons und dem Orchester hält an, wird nur derzeit etwas getrübt durch interne Debatten: Auch bei den Symphonikern ist die Auflösung des Münchner Rundfunkorchesters ein heißes Thema. Unbesetzte Stellen könnten mit den abgewickelten Musikern aus dem Nachbar-Ensemble aufgefüllt werden - wogegen man sich nicht grundsätzlich zu sperren scheint. Doch genaue Pläne? Die scheint nicht einmal der BR zu kennen.</P><P>Das aktuelle Tournee-Programm, Bartóks Konzert für Orchester und Tschaikowskys sechste Symphonie, scheint den BR-Symphonikern und Jansons jedenfalls sehr entgegenzukommen. Die Wiener durften wie hingezauberte Details genießen, einen Sound, der sich in den goldenen Saal zu schmiegen schien. Bartók tönte nie überreizt, sondern als klug gestaltetes Klangrelief, die "Pathetique" zerfloss nicht tränenreich, verdeutlichte vielmehr Tschaikowskys Ingrimm, das Aufbäumen vor der längst begriffenen Katastrophe.<BR>Noch bei der Probe, im leeren und zum Dröhnen neigenden Saal, hatte Jansons die Musiker immer wieder gezügelt, mit kleinen Gesten Einstudiertes nur überprüft - um dann im Konzert nachzulegen. Am Verblüffendsten im dritten "Pathetique"-Satz, als die Tür zu einer neuen emotionalen Dimension aufgerissen wurde - und sogar Wiens kundige Zuhörer verfrüht applaudierten.</P><P>Drei Zugaben erklatschten sich die Matinee-Gänger am Schluss: einen hinreißenden "Valse triste" von Sibelius, eine stampfende Kostprobe aus Bartó´ks "Wunderbarem Mandarin" - und, als ironische Kampfansage an die Platzhirschen, Johann Strauß' herzlich belachte "Tritsch-Tratsch-Polka".</P><P>"Das war ein Gruß an Wien, ein kleines Bonbon", so Jansons nach dem Konzert, der diese Tournee als "sehr wichtig" einstuft - wie überhaupt das gesamte Jahr mit seinen Abstechern zu den Londoner Proms oder nach Luzern. "So ein Orchester muss einfach international zeigen, was es kann." Und das am besten vor einem derart illustren Publikum wie tags darauf in Berlin, wo das BR-Ensemble seit Mitte der Neunziger nicht mehr gespielt hatte. Es lauschten also: Marek Janowski (Rundfunk-Sinfonieorchester), Simon Rattle (Berliner Philharmoniker), Hans Eichel (Abteilung Steuern/ Schulden) - und der 92-jährige Dirigent Kurt Sanderling, der im Anschluss berichtete, wie er damals mit Jansons' Papa die Geburt des kleinen Mariss gefeiert hatte.</P><P>Wie schon an der Donau begegneten den Gästen auch in Berlin entzückte Zuhörer, die sich gar konzentrierter als die hustenkranken Wiener verhielten. Und die trennscharfe Akustik kam den Werken, ihrer intensiven und genauen Ausformulierung durch Jansons noch mehr entgegen. Bartó´ks "Konzert für Orchester" wirkte eine Spur kühler, die "Pathetique" blieb indes auf Wiener Betriebstemperatur - und weiterhin wohltuend unsentimental. "Aber das habe ich von meinem Vater", sagt Jansons. "Der meinte immer zum Thema Tschaikowsky: Tu' um Himmels Willen keinen Zucker zum Honig."<BR></P>

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