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Der Designer Mirko Borsche vor seinen visuellen Ideen zu Zeitschriften, Plakaten oder Plattencovern, die er in der Schau „Unplugged“ in der Pinakothek der Moderne zusammengeführt hat.

Eine Anti-Werkschau

München - Die Neue Sammlung in der Pinakothek der Moderne ist um eine neue Ausstellung reicher: Der Münchner Grafikdesigner Mirko Borsche bietet einen besonderen Überblick über sein Schaffen.

Im Augenwinkel gleitet die Litfasssäule vorbei – und was einen innehalten lässt ist:

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Der Schriftzug auf dem Plakat mit seinen großen, klaren Buchstaben, aber der merkwürdigen Wort-Zerreißung bietet Information und Irritation zugleich – und Humor. Lautpoeten zwischen Schwitters und Artmann hätten ihre Kicher-Freude daran. Und Mozart sicherlich auch. So fröhlich und ein bisserl despektierlich wirbt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, ja, für Konzerte mit klassischer Musik. Der Mann, der hinter dieser grafischen Raffinesse steht, ist Mirko Borsche.

Die oberste Design-Instanz landauf landab, die Neue Sammlung in Münchens Pinakothek der Moderne, hat den Münchner Grafikdesigner, der 1971 in Tegernsee geboren wurde, eingeladen, sein bisheriges Schaffen bei ihr auszustellen. Nachdem viele Räumlichkeiten des Design-Museums wegen der Bauschäden der PDM derzeit nicht bespielbar sind, musste sich Borsche mit „Unplugged“ auf den Gang, der von der Rotunde abgeht, beschränken. Er selbst durfte seine Schau konzipieren. So hat er die Arbeiten seines Büros – ob Plattenhülle für Peter Licht, ein Plakat für die Bayerische Staatsoper oder ob Umschlaggestaltung für das „Zeit“-Magazin – alle auf ein Format und eine Machart getrimmt. Es ergab sich eine 74-teilige Wandserie aus Schwarz-Weiß-Zeichnungen im Format 70 auf 100 Zentimeter. Schlicht und ein wenig gschlampert gehalten von schnöden, schwarzen Rahmenklammern. Dass da schon mal eine Ecke weghängt, gehört zum Konzept. „Meine Arbeit wird ja immer weggeworfen“, kommentiert das Borsche mit koketter Bescheidenheit. Als vielfach ausgezeichneter diplomierter Grafiker mit 14 Mitarbeitern im Auer Büro und einem namhaften Kundenstamm kann er sich das leisten.

Ganz ehrlich bescheiden ist hingegen seine Abwehr, wenn man die nun so und nicht anders geformte Wandarbeit aus handgemachten, verfremdeten Versionen diverser optischer „Gebrauchsgegenstände“ als Kunst bezeichnet. Nein, das sei eine Präsentationsart – es gehe um Grafikdesign. Er habe eben eine Grundidee in eine bestimmt Form gegossen. Sicher, aus Massenprodukten seien so Unikate geworden. Wenn man dann nachhakt, bestätigt Mirko Borsche, dass „die Übergänge wahnsinnig fließend“ seien, aber „ich mag den Ausdruck Gebrauchsgrafiker“. Als freier Zeichner hat er jenen Borsche mit all dessen Covern und Plakaten zitiert – und dann ein einziges Werk daraus entwickelt.

Der Münchner freut sich darüber hinaus, dass er echtes Handwerk bieten kann – „wir sind nicht nur am Computer gut“. Für ihn soll „die Ausstellung zeigen, was wir gemacht haben“. Eine dokumentarische Schau mit in Vitrinen ausgelegten Magazinen wollte er jedoch auf keinen Fall: „Ich bin doch noch nicht tot“, schmunzelt Borsche. „Ich hatte Angst vor einer Retrospektive, Angst davor festgenagelt zu werden, Angst, dass damit das Ende einer aufsteigenden Karriere signalisiert würde. Wir wollen doch etwas Neues schaffen.“ Das ist mit dieser Anti-Werkschau auf unprätentiöse Art geglückt. Die Wandarbeit als Ganzheit sperrt sich gegen das (Design-)Museale und schlägt die Brücke zur/m Kunst(museum). Ein idealer Fall für die Pinakothek der Moderne, zumal Borsche recht pop-artistisch zeichnet – und obendrein den Totempfahl seines Büros, unter anderem mit Ente und Kaffeeschraubkocher, in „Unplugged“ integriert hat.

Museumschef Florian Hufnagl kennt den Grafikdesigner seit knapp zehn Jahren. „Er ist mir aufgefallen wegen seiner ausgefallenen, ungewöhnlich frechen Ansätze.“ Und wurde natürlich auch für die Werbung der Neuen Sammlung selbst eingesetzt. Oberkonservatorin Corinna Rösner wiederum ist bei Mirko Borsche wichtig, dass „er sich immer inhaltlich auseinandersetzt“. Wenn er einen Auftrag bekommt, steigt er tief in die Materie ein: „Dieses Prinzip spürt man stets, wenn man mit ihm arbeitet.“

Simone Dattenberger

Bis 18. März

Tel. 089/23 80 53 60; Mappenwerk: rund 50 Euro.

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