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Zornbinkel mit Torwarthandschuhen: Oliver Kahn anno 2005.

Aus dem Buch von Petra Cnyrim

Diese Wörter sind vom Aussterben bedroht

Von „Beelzebub“ bis „Gesichtserker“: Eine Auswahl der Begriffe, die Petra Cnyrim in ihrem Buch vorstellt

Beelzebub: der Teufel. Im Alten Testament wird die Bezeichnung „Beelzebub“ (dort: „Beelezebul“) erstmalig als Umschreibung für das Böse erwähnt. Ursprünglich bedeutete der Begriff, der aus dem Hebräischen stammt: „Herr der Fliegen“ beziehungsweise „Herr des Misthaufens“.

Zornbinkel: Leicht zu erzürnender Mensch, meistens Kind. Der „Zornbinkel“ war meist in Österreich und Bayern bekannt und trieb dort sein Unwesen.

Vokuhila: Kurzform für die Beschreibung einer bestimmten Frisur: „vorne kurz, hinten lang“. Die „Vokuhila“ ist ein Akronym der in den Achtzigerjahren so populären Frisur, bei der das Haupthaar kurz und in Igelform geschnitten war, während die Nackenhaare bis zur Schulter reichten. Wichtig waren dabei auch die Fransen, die in die Stirn gezogen wurden.

Blaustrumpf: Abwertende Bezeichnung für Frauen im 19. Jahrhundert, die aufgrund ihrer Bildung und Einstellung als unweiblich galten.

Heiermann: Fünfmarkstück. Das vor allem im norddeutschen Raum bekannte Wort „Heiermann“ war die gängige Bezeichnung für ein Fünfmarkstück.

Wuchtbrumme: Vollweib. Das Wort „Wuchtbrumme“ entstand in den Sechzigerjahren aus der Zusammensetzung von „Wucht“ und „Brumme“, letzteres ist ein anderes Wort für „Hummel“.

Vatermörder: ironische Bezeichnung für Stehkragen. Der „Vatermörder“ war ein im 19. Jahrhundert getragener Stehkragen, der unter einer Halsbinde angebracht wurde und dadurch für das typische männliche Erscheinungsbild sorgte.

Juniortüte: Kindermenü einer bekannten Fast-Food-Kette. Zugegeben, die „Juniortüte“ ist nicht gerade ein Beispiel für gehobene Wortkultur. Dennoch ist sie faktisch ein Wort, das eine bestimmte Generation prägte und inzwischen gänzlich verschwunden ist.

Klimbim: Unnützes Zeug. Herkunft und Entwicklung des Begriffs „Klimbim“ sind leider nicht genau nachvollziehbar. Sicher ist jedoch, dass es sich um eine Art Modewort der Siebzigerjahre handelte, das damals so populär war, dass man sogar eine Fernsehsendung danach benannte.

Feiner Pinkel: Bezeichnung für jemanden, der sich für etwas Besseres hält. Der „feine Pinkel“ entstand in Berlin gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Gemeint waren damals Angehörige der oberen sozialen Schicht, die dem Normalbürger durch ihr Verhalten arrogant und unangenehm erschienen.

Muckefuck: Der Begriff „Muckefuck“ bezeichnet ein Kaffee-Ersatz-Getränk, das aus verschiedenen Getreidesorten gebrüht wurde. In Zeiten, in denen es unmöglich war, an echte Kaffeebohnen zu gelangen, war der Ersatzkaffee sehr populär.

Isegrim: Bis vor nicht allzu langer Zeit war der „Isegrim“ jedem als der Wolf im Märchen bekannt.

Gummitwist: Gummihüpfen, ein beliebtes Kinderspiel auf den Schulhöfen. In diesem Fall starb das Wort vor der eigentlichen Tätigkeit aus. Denn obwohl man schon lange nicht mehr vom „Gummitwist“ sprach, wurde er auf den meisten Schulhöfen in der Pause noch gerne und lange praktiziert.

Lümmeltüte: Kondom. Obwohl der Ursprung des Begriffs nicht hundertprozentig geklärt ist, hält sich die Vermutung, er sei in der Zeit des Ersten Weltkriegs entstanden, am hartnäckigsten.

„Das Buch der fast vergessenen Wörter“ von Petra Cnyrim. Riva Verlag. 200 Seiten. 14,99 Euro.

Hupfdohle: Als Hupfdohle wurden besonders in den Fünfzigerjahren Tänzerinnen aller Art bezeichnet. Später bekam er einen eher missbilligenden Bei-Ton und wurde hauptsächlich als Spottname für Nackt- beziehungsweise für Revuetänzerinnen gebraucht.

Trockenwohner: Bezeichnung für Mieter während der Industrialisierung, die übergangsweise in Neubauten lebten, die noch nicht vollständig durchgetrocknet waren.

Hahnrei: „Hahnrei“ ist eine Bezeichnung, die zuerst für kastrierte Hähne verwendet wurde und seit dem Hochmittelalter für betrogene Ehemänner Anwendung fand.

Gesichtserker: Nase. Gerade in kabarettistischen Texten oder betexteten Karikaturen taucht der „Gesichtserker“ immer wieder auf, bis er dann aber ab ungefähr der Mitte der Achtzigerjahre gänzlich ausstirbt.

Hier können Sie unser Interview von Autorin Petra Cnyrim lesen.

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