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Eine Art Brandner Kaspar

Enoch zu Guttenberg über Mahlers Vierte: - "Ich war noch ein Kind, als ich Mahlers vierte Symphonie erstmals gehört habe. Damals war Rudolf Kempe Chef bei den Münchner Philharmonikern, und ich war platt. Es war immer ein Lebenstraum von mir, dieses Stück irgendwann einmal aufzuführen, was ich mir nun schon öfter mal genehmigt habe."

Enoch zu Guttenberg kennt man in München vor allem als Dirigent von Oratorien und Messen mit seiner Chorgemeinschaft Neubeuern, seinem "ersten und großen Lieblingskind", mit dem er in diesem Jahr vierzig Jahre verbandelt ist. Nun dirigiert er hier an diesem Sonntag um 19 Uhr im Herkulessaal erstmals Mahler ­- und zwar die Nr. 4 in G-Dur.

"Es war immer ein Lebenstraum, dieses

Stück irgendwann einmal aufzuführen."

Enoch zu Guttenberg

Andernorts hat er sich mit symphonischen Werken schon häufig präsentiert. "Ich hab mit viel Freude Mahlers Zweite, Dritte und Vierte gemacht, bin mit Mahlers Achter in Vorbereitung, und mit der Vierten war ich gerade auf einer sehr schönen großen Englandtournee."

Mit seiner KlangVerwaltung, "einem handverlesenen Laden" aus rund 120 bis 140 professionellen freien Musikern aus ganz Europa, hat Enoch zu Guttenberg, wie er sagt, "endlich ein Orchester, das zu hundert Prozent mit mir zusammen bemüht ist, die gemeinsame Idee umzusetzen."

In diesem Jahr feiert die KlangVerwaltung ihr zehnjähriges Jubiläum. "Da hat sich halt im Laufe der Zeit eine Selbstverständlichkeit in der gemeinsamen Sprache entwickelt. Zudem bin ich der Meinung, dass man mit sehr großer Verantwortung an die Symphonik herangehen muss. Und wenn man eben wie wir auch inhaltlich orientiert ist, dann braucht auch ein Werk Zeit zum Reifen."

In diesem Jahr geht Enoch zu Guttenberg mit dem Orchester der KlangVerwaltung auf eine große Amerika-Tournee, im Gepäck sind unter anderem die beiden vierten Symphonien von Mahler und Bruckner. Letztere kommt unter seiner Leitung auch im April im Wiener Musikverein zur Aufführung.

Bei der England-Tournee im letzten Jahr begeisterten Guttenberg vor allem die Diskussionen mit dem Publikum im Anschluss an die Konzerte. So etwas würde er sich in Deutschland auch wünschen.

Im Herkulessaal konzentriert er sich am Sonntag nicht nur auf die KlangVerwaltung. Da Schuberts "Rosamunde ­ Fürstin von Zypern" noch auf dem Programm steht, ist natürlich sein Chor dabei. "Ich bin auch am glücklichsten, wenn beide beieinander sind." "Schubert ­ Mahler" ist das Motto des Abends. Guttenberg hat beide Komponisten kombiniert, "weil sie beide große Erzähler sind". Mahlers vierte Symphonie liebt er besonders. Ihn fasziniert "der Mozart-Einfluss und der unglaubliche Inhalt". Dieses Werk sei "auf höchstem Niveau eine Art ,Jedermann’, ein ,Brandner Kaspar’ oder Ähnliches". Enoch zu Guttenberg: "Mich reizen eben die Brüche. Da sind Dinge darin, die sie bei Bach in der Matthäus-Passion in Pur-Form haben, bei Mahler allerdings mit großen Fragezeichen, Strichpunkten, Ausrufezeichen, mit viel Zynismus, viel Liebe und Sarkasmus zugleich. Dinge über die ich nicht hinwegmusizieren will."

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