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Der konzeptuelle Betrieb b_books zeigt in München neben Filmen wie hier Aufführungen, Polit-Literatur, Melodramen und ein Projekt zur Internet-Nutzung.

Eine Denk- und Kunstideekehrt nach München zurück

München - Alles andere als gewöhnlich: Berlins b_books ist mit Filmen, Büchern und Web in der Lothringer 13 zu Gast.

Ein Buchladen? Oder doch Hinterhof-Kino? Hier ein Plakat, da eine Wandskizze, dort ein Video: Durch allerlei Stationen stolpert man in der Lothringer 13 in München, verwundert, durchaus verzweifelt am Anfang. Was das alles soll? Man muss Zeit und Geduld mitbringen, man muss sich auf die Berliner Gäste einlassen und Abstand nehmen von herkömmlichen Ausstellungserwartungen. Denn was der prozesshafte und konzeptuelle Betrieb b_books präsentiert, ist das, was man in der Kunst nur mehr selten findet: Politik, in der Sprache eines sprunghaften Zeitgeistes.

Die Ursprünge der Großstadtbewegung rund um die schwierige Vermittlung von gesellschaftsrelevanten Themen liegen eigentlich in München: Ende der 80er Jahre begann dort die Idee, Journalismus, Literatur, Philosophie, Film und bildende Kunst zusammenzubringen. Seit 1996 laufen nun die Fäden in Berlin zusammen. Verlag, Filmproduktion und Eventkultur sind zum Unternehmen dazugekommen. Das Erscheinungsbild und Aktionsprogramm von b_books ändern sich dabei ständig. In München stechen neben der Theaterbühne, dem hochphilosophischen und kapitalismuskritischen Buchladen, einem Filmraum und einigen subtilen Installationen drei Projekte ins Auge. Zuerst der Film „Cake Under Glass“, der durchscheinend, greifbar und entschwindend, auf eine Glastrennwand projiziert wird. Das Melodrama gemäß der TV-Serie „Mildred Pierce“ wird so zum Sinnbild für die Projektion von Lebensmodellen und Realitäten und macht klar, wie sehr uns nie erfüllbare Sehnsüchte leiten.

Gleiches Thema beim Film „Arrêt la machine! Postpone postporn happiness“. Hier geht es um Konzepte des Wohlfühlens, mit sehr viel Haut und Intimitäten und körperlichem Verlangen gespielt. Damit wird auch dem aktuellen Jugendtrend, sich immer mehr dem Porno-Klischee in der Selbstdarstellung anzunähern, Tribut gezollt. Rückbezüge zu klassischen Beziehungsfilmen erfahren eine ebenso mystische wie erotische Neuinterpretation. Dabei werden die unsterblichen Symbole der Liebe, Romy Schneider und Alain Delon, wieder zum Leben erweckt, und man spielt mit der Idee, was alles hätte anders laufen können. Eine Frage nach Stereotypen, Lust und den Möglichkeiten der Fantasie.

Auch das dritte Großprojekt kreist um das Thema Wahrheit, selektive Wahrnehmung und der Rolle der Medien. Schon lange konkurriert das Web 2.0 mit den sogenannten seriösen Redaktionen. Die politischen Umbrüche der letzten zwei Jahre wurden vor allem durch die neuen Medien gepuscht. Der Öffentlichkeit versuchte man, ein zensiertes, anderes Bild der Wirklichkeit zu vermitteln. So entstehen parallele Wahrnehmungen. Und was passiert eigentlich mit der ganzen Wahrheit, die nie öffentlich geschrieben und gezeigt wird?

Bis 6. November, Tel. 089/ 44 86 961, Performances und Projekte unter www.lothringer13.de.

Freia Oliv

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