Eine deutsche "Bilanz"

- "Das Phänomen James Last wäre ohne den Verkauf von Fleisch- und Wurstwaren nicht denkbar." Frank Lüdecke wandert mit Musik in seinem Solo-Programm "Bilanz" vier Jahrzehnte deutschen Zeitgeschehens ab. Der Blick zurück richtet sich auf das HB-Männchen, das damals lieber an Raucherkrebs als an Herzversagen gestorben wäre, auf die Tiefkühltruhe ("ein Produkt des kalten Krieges") und auf Berlin, die Oase der Sozial-Pädagogen. Mit Gitarre stimmt Lüdecke das Lied auf die Ikea-Möbel an, die ein Paar auseinander bringen: "Schwedisches Holz".

<P>Lüdecke ist ein Kabarettist mit "60 Megabite Kritikerverstand". Und vor allem ist er Berliner, verkauft seine Pointen mit vernuschelter Beiläufigkeit, lässt Sätze einfach auslaufen. Lüdecke schlüpft in die Rollen eines Langzeitstudenten und dessen Vater oder in die eines brachialen Metzgers, um treffsicher das Heute auseinander zu nehmen: Lebensphasen werden "Life-Style-Entscheidungen" und die Hirnströmung eines Sterbenden mit dem "Premiere-World-Decoder" gemessen.</P><P>"Internetz", Ethikkommission, Fleischverseuchung - Lüdecke spitzt Zeitthemen schonungslos auf die radikalste Möglichkeit zu: "Es hat noch nie einen Krieg zwischen zwei Staaten gegeben, in deren Hauptstädten sich ein MacDonalds befand." Bilanz von "40 Jahren synaptischer Verklumpung": hochintelligent, pointendicht, aktuell und fantasievoll serviert - bei der Premiere zwei Zugaben.<BR><BR> Noch heute, morgen und Samstag, 20 Uhr; Karten: 089/ 39 19 97.<BR></P>

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