Eine feine Seele

- Eine Dichterin aus dem Volke oder wie es Ivan Goll ausdrückte: "Tochter eines Sargtischlers, ziemlich holzschnitthafter Kopf, aber eine feine Seele." So wurde Paula Ludwig (1900-1974) bekannt. "Aus tausend Spiegeln sehe ich mich an" heißt die Ausstellung, die die Münchner Monacensia ihrem bewegten Leben widmet. Die aus Vorarlberg stammende Dichterin wurde laut Kuratorin Ulrike Längle "von Kennern wahrgenommen, aber die literarische Einbürgerung ist nicht so recht geglückt".

Ludwig beginnt ihre Karriere in München, 1920 erscheint ihr erster Gedichtband "Die selige Spur". Zudem veröffentlicht sie in der Kunstzeitschrift "Der Ararat" Gedichte und Zeichnungen. Ihren Lebensunterhalt verdient sie sich als Hausangestellte, Malermodell bei Franz Stuck, Souffleuse in den Kammerspielen und als Aquarell-Malerin. Bald lernt sie Klaus und Erika Mann, Bertolt Brecht und viele weitere Künstler kennen und wird Zeugin der Schwabinger Bohème.<BR><BR>Nach vier Jahren München zieht sie nach Berlin und beginnt eine leidenschaftliche Liebes- und Arbeitsbeziehung mit Ivan Goll. Unter deren Eindruck entsteht 1931 ihr bedeutendstes Werk, "Dem dunklen Gott. Ein Jahresgedicht der Liebe". Ihre Unruhe führt sie weiter ins Künstlerdorf Ehrwald in Tirol, wo sie im Einklang mit der Natur lebt. Weitere Stationen sind Paris, Zürich, Spanien, Portugal und Brasilien. In Rio de Janeiro und Sã~o Paulo bleibt die Regimekritikerin von 1940 bis 1953 im Exil. Dann kehrt sie nach Deutschland zurück, kann aber an ihr Renommee in den 20er- und 30er-Jahren nicht mehr anknüpfen. Die Ausstellung zeigt drei chronologische Linien: Paula Ludwigs Leben, ihre literarische Entwicklung und ihre Malerei. Die Gemälde sind aber aus Sicherheitsgründen keine Originale. An einer Hörstation kann man Ludwigs Stimme in einem Interview und beim Vorlesen des Gedichts "Mondnacht in Ehrwald" lauschen.<BR><BR><P>Bis 29. April, Monacensia, Maria-Theresia-Straße 23, Eintritt frei, Telefon: 089 / 419 47 20.</P>

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