Abi Ofarim in München

Eine Frage der Haltung

München - Ob jemand ein echter Star ist, hängt vermutlich gar nicht so sehr vom Verlauf der Karriere ab, sondern von der Haltung. Abi Ofarim zum Beispiel, der ja nun doch länger so gut wie überhaupt nicht präsent war, ist ein Star.

So wie er beim Auftakt seiner Jubiläumstournee (50 Jahre im Geschäft) die Bühne im gut gefüllten Münchner Schlachthof betritt, wie er das Publikum begrüßt, wie er mit dem Titelstück der neuen CD "Too Much Of Something" loslegt - so macht das nur einer, der sich das Bewusstsein erhalten hat, ein Star im Wortsinn zu sein.

Es gab ja mal eine Zeit, in der Superstars nicht von Dieter Bohlen ernannt wurden und eine längere Halbwertszeit hatten als eine Tüte Milch. So einer war Ofarim, der gemeinsam mit seiner Partnerin Esther in den Sechzigerjahren unfassbare Mengen an Platten verkauft hatte - nicht nur in Deutschland. Nun bewies er im Schlachthof, dass er - trotz Erkältung - auch mit 71 Jahren immer noch gut bei Stimme ist und weiterhin schöne Ohrwürmer komponiert. Aus den ganz alten Zeiten spielt Ofarim vergleichsweise wenig und wenn, dann eher ironisch. Etwa wenn er "Noch ein Tanz" mit sich selber im Duett singt. Schwerpunkt sind die Solojahre, und je länger man Ofarim zuhört, desto klarer wird, dass er einige wirklich berückende Stücke wie "Much Too Much" geschrieben hat, die man viel zu selten hört.

Kurzum: ein gutes Konzert, für das man Ofarim ein etwas aufmerksameres Auditorium gewünscht hätte. Denn das zahlreich erschienene Szene-Publikum war zu sehr mit sich beschäftigt, um wirklich mitzubekommen, was für ein Könner auf der Bühne stand. Und ein stolzer Mann. Als er bei der Zugabe mit "Hava Nagila" dem Affen Zucker gibt und großen Applaus erntet, meint er nur: "Ich lasse mich nicht von der Bühne jubeln" und macht weiter. Das ist mal einer, der sich bestimmt nie im Dschungelcamp vorführen lassen wird. Gut, dass es noch solch echte Stars gibt.

Zoran Gojic

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