Eine Frage der Interpretation

- "Elektra", "Rosenkavalier" oder "Ariadne auf Naxos" gehören zum Standardrepertoire der Opernhäuser. Nur haben die Erben des Textdichters Hugo von Hofmannsthal davon wenig: 1929 starb der Autor, seit 2000, mit Ende der 70-jährigen Schutzfrist also, bekamen sie für Aufführungen und Tonträger kein Geld mehr überwiesen.

Mit einem geforderten Streitwert von 750 000 Euro zogen sie gestern trotzdem vors Münchner Landgericht. Wie bereits berichtet, wollen die Hofmannsthal-Erben an den Erlösen beteiligt werden, was die Nachkommen des 1949 gestorbenen Komponisten Richard Strauss ablehnen. Eine Entscheidung darüber wird erst 2007 fallen. Das Gericht möchte zunächst alle Verträge über die neun betreffenden Werke sichten, die zwischen Hofmannsthal bzw. seinen Rechtsnachfolgern und Strauss geschlossen wurden. Dazu zählen unter anderem "Die Ägyptische Helena", "Arabella", "Die Frau ohne Schatten" und "Die Liebe der Danae". Dabei spielt ein Problem die Hauptrolle: Gilt das normale Urheberrecht, nachdem Werke 70 Jahre nach dem Tod des Autors bzw. Komponisten ihren Schutz verlieren? Oder sind die Vereinbarungen zwischen Komponist und Dichter zu Gunsten der Hofmannsthals auszulegen?

Im Vertrag über die "Elektra" aus dem Jahre 1906 heißt es nämlich, dass Hofmannsthal und seine Erben so lange beteiligt werden, so lange auch Strauss und seine Rechtsnachfolger Geld erhalten. Die Frage ist nur, ob eine solche Bestimmung auf alle neun gemeinsamen Werke angewendet werden kann. Reine Interpretationssache also ­ eine knifflige Angelegenheit fürs Gericht.

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