Eine Frau von gestern

- Es ist ein schöner Tag am Rhein. "Sonnig, bis zu 24 Grad", sagt die Frau in ihrem verdunkelten Zimmer - und legt dabei sorgenvoll die Stirn in Falten. Die Frau heißt Hannelore Kohl. Das tragische Schicksal der früheren Kanzlergattin steht im Mittelpunkt der Oper "Licht", die jetzt in Berlin in der kleinen Neuköllner Oper uraufgeführt wurde. Die Ehefrau Helmut Kohls hatte sich 2001 das Leben genommen, nachdem sie wegen einer Krankheit jahrelang in Dunkelheit leben musste.

Veronika Nickl spielt Hannelore Kohl, eingeschlossen in einem düsteren Glaskasten, begleitet von drei Frauen: ihr Inneres, mit dem sie Zwiesprache hält. Sparsam kommentiert ein Vibrafon die Auseinandersetzung, spielt harmonisch, wenn es um die Träume geht, dissonant beim Blick auf die Wirklichkeit: "Das Händeschütteln, das ewige Händeschütteln zerbricht meine Gelenke." Die Inszenierung von Boris von Poser beruht auf einem Text von Dea Loher, den Wolfgang Böhmer vertont hat. Hannelore Kohls Erkrankung ist darin nur scheinbar das zentrale Thema. Die eigentliche Botschaft ist das Leiden an ihrer Rolle. <BR><BR>Ihre Wünsche waren nicht wichtig, ihre Meinung selten gefragt. "Dein Wille geht wie eine Welle, und jeder Tag ertrinkt darin", ruft Hannelore mit Rilke gegen die Wände ihres Zimmers. "Licht" ist eine politische Oper. Der Frauentyp Hannelore Kohl wird zum "Geist aus vergangenen Tagen" erklärt. Die Krankheit wird zur Metapher für Kohls Gefangenschaft in einem überkommenen Rollenbild. Das Stück erklärt die Protagonistin selbst zur Schuldigen an ihrer misslichen Lage: "Mein größter Unfall bin ich selber."<BR>

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