Eine geniale Idiotin

- Sich selbst nennt Lina Wertmüller eine "geniale Idiotin". Die Römerin, die mit vollem Namen Arcangela Felice Assunta Wertmüller von Elgg Spanol von Braueich heißt, stammt aus einer feinen Schweizer Familie. Nach der Schule spielte sie in einem avantgardistischen Puppentheater, in dem die Marionetten wie Picasso-Figuren aussahen und Kafka-Texte sprachen. Später war sie die Assistentin von Federico Fellini. 1972 gelang ihr mit dem absurden Film "Liebe und Anarchie" der Durchbruch: Ein Bauer will Mussolini erschießen, verschläft aber in einem Bordell. Am Ende prügeln ihn Schwarzhemden zu Tode.

<P>Vor allem in den USA wurde "die Wertmüller" zur Kultfigur. "Sieben Schönheiten" wurde 1976 für vier Oscars nominiert: Ein neapolitanischer Gangster landet in einem Konzentrationslager der Nazis und kann sich durch Liebesdienste an der unförmigen KZ-Aufseherin retten. </P><P>Stillos? "Die Konzentrationslager kann man nur grotesk darstellen." Die Wertmüller inszenierte Opern wie 1992 "Carmen" in München und schrieb Theaterstücke wie "Liebe und Magie in Mammas Küche", ein furioses Spiel, in dem eine Frau drei Freundinnen schlachtet und zu Seife verkocht. Die bekennende Linke legt sich gerne quer. </P><P>Unlängst meinte sie, der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi werde von der Linken dämonisiert. Da wussten ihre Fans wieder einmal nicht, was sie von ihr halten sollten. Morgen wird Lina Wertmüller 75. </P>

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